Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

30JUN2020
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Urlaub, das ist das Zauberwort. Viele sagen, sie halten das ganze Jahr nur durch, weil sie sich auf den nächsten Urlaub freuen können. Ich habe mal nachgeschaut und gelesen, dass das Wort „Urlaub“ aus dem althochdeutschen stammt und schlicht „Erlaubnis“ heißt. Es ist nämlich die Erlaubnis, sich zu entfernen. Wenn der Deutsche heute also Urlaub macht, hat er nicht einfach nur frei. Nein, er entfernt sich aus seinem Alltag. Andere Gegend, andere Leute, kein Alltag eben. Als das Wort entstand vor vielen hundert Jahren, konnte man davon nur träumen. Urlaub hieß: der Ritter durfte sich vom Königshof entfernen um zu Hause nach dem Rechten zu sehen. Mit Urlaub heute das hat nichts zu tun. Vielleicht könnte man das Pilgern damals als eine Art Urlaub ansehen, wenn auch die Motive ganz andere waren. Man war auf der Suche nach der Vergebung der Sünden. Man wollte von einer Krankheit geheilt werden, ein Gelübde erfüllen. Oder –und das kommt unserem Urlaub schon etwas näher- man wollte einmal im Leben mal etwas Besonderes tun und hinterher mit den Erzählungen aus fernen Ländern Eindruck schinden. Heute vermischt sich das Ganze. Pilgern im Urlaub ist in. Viele wandern auf den alten Pilgerwegen und wenn man fragt, dann hört man als Antwort: „Wir wollen Ruhe und Frieden. Wir suchen Rat und Richtung. Wir tun was für unsere Gesundheit. Wir suchen Versöhnung mit Gott, der Natur und uns selbst“. Kostbare Zeit ist das, der Urlaub, die „Erlaubnis sich zu entfernen“. In diesem Jahr bleiben viele zu Hause. Ich auch. Frei mache ich trotzdem jetzt im Sommer. Mal sicher zwei Wochen. Mal sehen, was wir mit der freien Zeit anfangen. Ob wir es schaffen, uns vom Alltag zu entfernen, obwohl wir ja da bleiben. Die Erlaubnis dazu haben wir ja, wir müssen sie nur nutzen. Ob wir das schaffen? Vielleicht erzähle ich davon im Herbst, wenn der Urlaub längst wieder vorbei ist.

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