Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

22JUN2020
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Sub Conditione Corona – unter den Bedingungen von Corona: nur so kann man im Augenblick irgendwas planen, hat mir neulich jemand gesagt. Ganz egal, ob Familienfest, Konzert, Urlaub oder berufliche Projekte: alles sub conditione corona. Man weiß ja nicht, was kommt. Eine zweite Welle der Infektion? Ein Medikament, ein Impfstoff sogar? Oder verschwindet der ganze Spuk, wie eine Grippewelle ja auch irgendwie verschwindet?

Wie kann man mit dieser Unsicherheit umgehen? Manche geben auf. Sie sagen: es hat ja keinen Sinn, etwas zu planen, ich warte mal ab und halte still. Das ist vielleicht die bequemste Lösung. Aber irgendwie versumpft man in der Resignation. Andere drängen ungeduldig auf immer weitere Lockerungen. Es ist höchste Zeit, dass das Leben wieder normal wird, sagen sie. Diese Unsicherheit ist ja nicht auszuhalten. Andere legen neue Termine fest, planen und haben Angst vor der Enttäuschung, dass sie doch wieder absagen müssen.

Aber: War das Leben nicht immer unsicher? Meine Eltern und Großeltern, die haben davon erzählt. Wie das ist, wenn einer aus der Familie in den Krieg ziehen muss und man nicht weiß, wann man sich wiedersieht und ob überhaupt. Wenn ein junger Mensch heute ein Startup gründet und nicht weiß, ob sein Geschäftsmodell tragfähig ist. Wie ist das, wenn man nicht weiß, ob es länger als ein paar Monate gut geht?

In biblischen Zeiten musste man erst recht mit dieser Unsicherheit rechnen. Jede Krankheit konnte alle Pläne durchkreuzen, die Willkür der Obrigkeit jedem Vorhaben einen Riegel vorschieben. Deshalb warnt Jakobus, ein Gemeindeleiter in jener Zeit: Ihr wisst nicht, was morgen sein wird. Deshalb sollt ihr sagen: Wenn Gott will werden wir leben und dies oder jenes tun (Jakobus 4, 15). Diese Einschränkung, die Jakobus gemacht hat, das ist die so genannte „Bedingung des Jakobus“. Wer früher gebildet war und Latein konnte, der hat gesagt: die conditio des Jakobus. Sub conditione Jacobaea.

Ist das Schicksalsglaube, also ein: Man kann ja nichts machen, es kommt, wie es kommen soll? Ich glaube nicht. Wer mit Gott rechnet, der rechnet auf seinen Beistand. Wer mit Gott rechnet, der vertraut darauf: Wie es auch kommt, Gott wird uns beistehen. Er kann uns helfen, unsere Pläne zu verwirklichen. Er kann aber auch helfen, mit Enttäuschungen und Misslingen zurecht zu kommen.

Ich finde, so kann man Pläne machen und Träume haben: das schöne Fest planen oder vom gemeinsamen Urlaub träumen. Denn auch wenn es anders kommt: Mit Gottes Hilfe werde ich einen neuen Weg finden.

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