Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

03MAI2020
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Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht, Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht.

Wenn ich mir überlege, was mir in den letzten Wochen ohne Gottesdienste in unserer Kirche besonders gefehlt hat, dann lande ich schnell bei diesem Taizé-Lied. Wir singen es jeden Sonntag nach dem so genannten Stillen Gebet – und für mich ist dieser gemeinsame Gesang immer ein besonders anrührender Moment im Gottesdienst.

Meine Hoffnung und meine Freude

Meine Hoffnung und meine Freude – der Text des Liedes nimmt einen Vers aus dem Buch des Propheten Jesaja auf: Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil (Jesaja 12,3), heißt es da. Der Vers ist auch in der Bibel Teil eines Dankliedes. Die es singen, loben Gott – für ihre Rettung vor den Feinden. Aber vielleicht nicht nur dafür. Sondern auch für die Hoffnung auf echten Frieden, die sie haben dürfen. Denn im Kapitel zuvor schildert der Prophet auch seine berühmte Vision einer friedlichen Welt, in der die Wölfe bei den Lämmern wohnen (Jesaja 11,1-10)

Die Hoffnung, die das Taizélied besingt, hat also einen weiten Horizont. So wie auch die Gemeinschaft von Taizé selbst, die Christen verschiedener Konfessionen aus der ganzen Welt zusammenbringt. Wie alle Taizélieder ist deshalb auch „Meine Hoffnung und meine Freude“ in viele verschiedene Sprachen übersetzt worden. Das Original aber ist in katalanischer Sprache:

El Senyor

Der weite Horizont des Liedes gefällt mir. Der weite Horizont der Hoffnung auf eine bessere Welt, die in ihm steckt. Einer Welt, in der Menschen friedlich und vertrauensvoll miteinander – und mit der ganzen Schöpfung – leben. Und mir gefällt auch der Horizont der weltweiten Christenheit, der meine kleine Welt mit der großen verbindet.

Am meisten aber beeindruckt mich an dem Lied die unerschrockene Zuversicht, die es ausdrückt: Christus, meine Zuversicht – auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht! Ein so furchtloses Gottvertrauen – das habe ich nicht. Aber trotzdem – oder gerade deshalb – singe ich das Lied so gerne mit anderen gemeinsam im Gottesdienst. Weil ich dann den Eindruck habe: Die anderen singen es auch ein bisschen für mich. Und tragen so meine Ängstlichkeit und meine Zweifel mit – und vertreiben sie sogar.

Christus, meine Zuversicht – auf dich vertrau‘ ich und fürcht‘ mich nicht! Wenn ich das ganz allein singen müsste, würde es sich nicht richtig anfühlen. Gemeinsam mit anderen aber wird es wahr. Und macht Mut, frei zu reden – und zu handeln. Und so ein klein wenig an der besseren Welt mitzuwirken, auf die ich hoffe.

El Senyor

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