Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

29MRZ2020
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Der König siegt, sein Banner glänzt,
geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,
an dessen Balken ausgestreckt
im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt.

  

Das Lied für diesen Sonntag ist ein uralter Hymnus auf den gekreuzigten Christus. Vexilla regis prodeunt …Des Königs Banner tritt hervor! Am 19. November 569 wurde er erstmals gesungen. Zu einem spektakulären Ereignis: Auf Bitten der Hl. Radegundis wurde die Kreuzreliquie von Byzanz in das Kloster La Sainte-Croix in Poitiers übertragen.

Der lateinische Hymnus stammt aus dem 6. Jahrhundert. Das merkt man seiner Sprache an und den Bildern, in denen der Hymnus versucht, das Geheimnis des Kreuzes einzufangen. Jesus Christus hat einen Kampf zu bestehen. Er geht auf Leben und Tod und Jesus durchlebt ihn stellvertretend für jeden einzelnen Menschen. Und er gewinnt. Das Kreuz markiert wie eine Standarte im Feldzug seinen Sieg. Und obwohl am Kreuz ein toter Mensch hängt, so der Hymnus, zeigt sich am Ende dort das Licht der Auferstehung. Auf diese Weise wird das Kreuz zum Ort und Ereignis, an dem sich Wohl und Wehe der Menschheit und jedes einzelnen Menschen entscheiden.  

Der König siegt, sein Banner glänzt,
geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,
an dessen Balken ausgestreckt
im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt. 

Unmittelbar vor Ostern kommt in Liturgie und Gottesdienst das Leiden und Sterben Jesu immer mehr in den Blick. In den katholischen Kirchen werden heute die Kreuze verhüllt, um an Karfreitag einen erneuerten Blick darauf zu haben: Jesus hat das Leid der Welt, die ganzen Nöte der Menschen mit an sein Kreuz genommen. In diesem Jahr werden viele an die Gefahren denken, die vom Corona-Virus ausgehen. Wie schwer krank sie womöglich noch werden, was mit ihren alten Angehörigen sein wird, wie es in unserem Land aussehen wird, wenn die Krise einmal überstanden ist. Im christlichen Glauben ist das Kreuz der richtige Ort, um das alles Gott zu sagen. Alle Klage, alle Trauer, aber auch alle Hoffnung, die am Ende steht:  Wenn Jesus an Ostern von den Toten auferweckt wird, dann wird das Kreuz zum Symbol der Rettung, der Erlösung.

Vexilla regis prodeunt,
fulget crucis mysterium,
quo carne carnis conditor
suspensus est patibulo.

Paulus hat als erster versucht, das Kreuz theologisch zu deuten. Er weiß, dass sein Glaube die normale Wahrnehmung auf den Kopf stellt. Wie kann so ein grausamer Tod von Gott gewollt sein? Genau das müsste er doch verhindern, wenn er Jesus liebt. Nein, für Paulus ist es genau andersherum: Weil der Mensch schwach ist und zerbrechlich, deshalb begibt sich Gott genau in die gleiche Lage. Er macht alles mit, was es auf der Erde gibt. Sie ist schließlich seine Schöpfung. So bekommt das Kreuz für ihn einen Sinn. Und wird zum Zeichen des Sieges.

O edler Baum im hehren Glanz,
von königlichem Purpur rot,
du werter, du erwählter Stamm,
du trägst den Lösepreis der Welt. 

O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt,
du einz’ge Hoffnung dieser Welt.
Den Treuen schenke neue Kraft,
den Sündern tilge alle Schuld.

 

Der König siegt, sein Banner glänzt(GL 299)

Der König siegt, sein Banner glänzt,
geheimnisvoll erstrahlt das Kreuz,
an dessen Balken ausgestreckt
im Fleisch des Fleisches Schöpfer hängt. 

Geschunden hängt der heil’ge Leib,
vom scharfen Speere roh durchbohrt,
uns rein zu waschen von der Schuld,
strömt Blut und Wasser von ihm aus. 

Erfüllt ist nun, was David einst
im Liede gläubig kundgetan,
da er im Geiste prophezeit’:
Vom Holz herab herrscht unser Gott. 

O edler Baum im hehren Glanz,
von königlichem Purpur rot,
du werter, du erwählter Stamm,
du trägst den Lösepreis der Welt. 

O heil’ges Kreuz, sei uns gegrüßt,
du einz’ge Hoffnung dieser Welt.
Den Treuen schenke neue Kraft,
den Sündern tilge alle Schuld. 

Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit,
lobsinge alles, was da lebt;
du hast uns durch das Kreuz erlöst:
Bewahre uns in Ewigkeit.

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