Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Wie kann ich meinen Glauben stärken?“ Dieser Frage bin ich mit 70 Jugendlichen auf einer Freizeit nachgegangen. Wir haben über den Glauben, über Zweifel und Vertrauen gesprochen. Fragen gestellt und Antworten gesucht. Am letzten Abend dann, haben wir gemeinsam ein Musikvideo angeschaut. „Ich glaube an Gott den Vater. Den Schöpfer aller Welt.“ Mit diesen Worten erklang eine erste Liedzeile. Erst zögerlich summend sind die Jugendlichen in das Lied eingestiegen. Mit jedem weiteren Takt aber hat sich der Raum mit mehr Gesang gefüllt. Ich habe gespürt, wie ich eine Gänsehaut bekommen habe. Es war ein unglaublich bewegender Augenblick, wie diese jungen Leute auf einmal Gott anbeten, ihn loben und singend ihren Glauben bekennen. In diesem Moment ist es ihnen leicht gefallen, den Glauben zu bekennen.   

ICH GLAUBE. Eine Geschichte aus der Bibel zeigt, dass das nicht immer so einfach ist. Sie handelt von einem Vater. Sein Sohn ist krank. Regelmäßig hat das Kind Anfälle bekommen. Der Vater stand hilflos daneben. Konnte nichts machen. Hat mitgelitten. Konnte höchstens dafür sorgen, dass sich das Kind nicht selbst verletzt. Wenn man so etwas erleben muss, dann verzweifelt man leicht. Dann fällt es einem schwer, an einen guten Gott zu glauben. Aber der Vater damals wollte alles probieren. Er geht Jesus. Da kriegt der Junge wieder einen Anfall. Der Vater ist verzweifelt. Er fleht Jesus an zu helfen, wenn er kann. Erstaunt, fast entrüstet antwortet Jesus: „Was heißt hier: ‚Wenn du kannst‘? Wer glaubt, kann alles.“ Und wirklich: der Anfall hört auf. Der Junge ist geheilt. Der Vater ist fassungslos. Kann das wirklich sein? Er bittet: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ (Mk 9,24) Der Vater hat gesehen, was Jesus kann. Er bittet darum, dass ihm diese Erfahrung bleibt und ihn stärkt. Er hofft wohl, dass er seinem Sohn dann auch weiter helfen kann. 

Ich lerne aus dieser Geschichte: das ist wichtig: Sich Gott immer wieder zu zuwenden und ihn bitten. Das stärkt den Glauben. Ich glaube, genau das haben auch die Jugendlichen auf der Freizeit erlebt, als sie gesungen haben: „Ich glaube an Gott den Vater. Den Schöpfer aller Welt.“

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