Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

In diesen Tagen höre ich einen alten Wunsch ganz neu. Viele Gespräche, die ich führe, enden so: „Ich wünsche weiterhin Gesundheit“ oder auch nur: „Machs gut und bleib gesund“. Sonst höre ich so was nur an Geburtstagen oder zum Jahreswechsel. Jetzt aber wird das zu einem alltäglichen Gruß.

Der Wunsch nach Gesundheit ist sicher so alt, wie die Menschheit. Kein Wunder, dass auch im Christentum Gesundheit zentral ist. Viele biblische Geschichten erzählen von Krankheit und Heilung. Erzählen davon, dass Jesus auf Leprakranke, Besessene oder Verwirrte zugeht. Er kommt ihnen nahe und macht sie gesund. Glaube, das erzählen die Geschichten, entfaltet eine gesundmachende Kraft.

Wer jetzt denkt, mit Glauben ließe sich eine Krankheit einfach wegzaubern, das Corona-Virus stoppen, der Krebs besiegen, der liegt allerdings falsch. Sicher, es gibt viele Studien, die bestätigen, dass auch heute noch der Glaube gesundmachen kann. Gemeint ist damit aber: Krankheit ist mehr, als nur ein Virus, eine aggressive Zelle, ein Bakterium. Wenn die Bibel etwa von den Heilungen Jesu erzählt, dann macht sie deutlich: Gesundheit und Heil betrifft den ganzen Menschen. Seinen Körper und seinen Geist.

Jesus macht Menschen nicht einfach gesund, sondern heil. Die Heilungen Jesu zeigen: Wenn ich krank bin, dann brauche ich andere, die sich mir zuwenden, die Zeit für mich haben. Heute heißt das: Die anrufen, eine Nachricht schreiben, an mich denken. Das kann gesundmachen.

Für mich heißt das: Fürs Gesundwerden ist mehr als Medizin nötig. Gesund macht auch, wenn ich beim kranken Nachbarn klingle und frage, was ich ihm aus dem Supermarkt mitbringen soll. Wenn ich andere anrufe und ihre Sorgen teile. Wenn ich da bin, wo ich gebraucht werde. Dann sorge auch ich dafür, dass jemand gesund werden kann.

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