Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Heute sind es genau zwei Wochen her. Da hatten sich die Ereignisse überstürzt. Alles wurde anders. Hier eine Momentaufnahme vom Sonntag danach:

‚Ich sitze in unserer Kirche. 11 Uhr an einem Sonntagmorgen in der Fastenzeit 2020.

Eigentlich wären heute viele Menschen hier zum Gottesdienst versammelt.

Die anglikanische und die alt-katholische Gemeinde würden jetzt miteinander Gottesdienst feiern. So steht es auf dem Plan. Zweimal im Jahr machen dies unsere beiden Kirchen gemeinsam. Aber heute ist alles anders. Seit kurzem finden keine Gottesdienste statt, keine Veranstaltungen, keine Versammlungen.‘

Inzwischen sind Gottesdienste untersagt. Kirchen geschlossen. Das Corona-Virus bringt unsere Pläne durcheinander. Ein seltsames Gefühl. Für viele eine wirtschaftliche, eine finanzielle Herausforderung. Existenzen sind bedroht. Das normale Leben befindet sich in einer Art ‚off-modus‘. Hier ist zu lesen: „Abgesagt!“, dort heißt es „Fällt aus!“ oder „Geschlossen!“ und meist „bis auf Weiteres“.

‚Jetzt – in unserer Kirche – würde der anglikanische Diakon predigen, wir würden englische und deutsche Lieder singen, miteinander beten. Doch jetzt brennt da nur eine Kerze, und Taizé-Lieder erklingen im Hintergrund. Die Kirche ist noch offen zum persönlichen Beten, zum Schweigen und zum Einfach-Da-Sein, auch zum Gespräch.Einzelne Personen kommen vorbei. Sie nutzen diese Zeit, auch wenn alles anders ist. Irgendwie unwirklich. Seltsam. Ungewiss.‘

Keiner von uns weiß, wie lange diese seltsame, diese andere Zeit dauern wird.

Ich hoffe, dass wir Gutes daraus machen können. Einige Beispiele, die möglich sind:

Wenn schon nicht mit Händen, dann noch mehr mit unseren Herzen grüßen. Aneinander denken. Einander zuhören. Sorgen teilen. Nachfragen, zum Beispiel per Telefon, ob ich helfen kann. Solidarität üben. Solidarisch leben. Das wirkt. Weit über die Corona-Krise hinaus… 

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