Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Gerade in Krisenzeiten zeigen sich menschliche Qualitäten besonders. Davon bin ich überzeugt. Solidarität. Besonnenheit. Geduld. Und Zuversicht. Menschen können viel, wenn es darauf ankommt. Gott sei Dank. An Tagen wie diesen, wo das Coronavirus das Land weitgehend lahmlegt, da braucht es solche Qualitäten. Und ich glaube, wir haben sie. „Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim 1,7) glauben wir Christen.

Besonders wichtig ist die Solidarität scheint mir, die wir Christen Nächstenliebe nennen. Und die Kraft aus der Zuversicht, dass wir es natürlich schaffen werden. Wir werden die Krise durchstehen, wenn wir zusammenhalten. Auch wenn zusammenhalten im Augenblick oft heißt: Abstand halten und die Distanz aushalten, die empfohlen ist. Aber Einkaufen für ältere Nachbarn, Ideen für gemeinsame Kinderbetreuung, das geht ja trotzdem. Ich kenne Großeltern, die lesen ihren Enkeln am Telefon Geschichten vor – haben sie schon früher gemacht. Klappt prima. Und in Zeiten wie diesen ist es ja auch gut und wichtig, dass es Fernsehen gibt und Internet: Eltern und Kinder können gemeinsam suchen, was sich da Interessantes findet. Anrufen kann man auch bei Oma und Opa und im Krankenhaus – damit keiner das Gefühl haben muss: jetzt lassen mich alle allein.

Ich denke, das hilft, dass wir die kommende Zeit nicht als verlorene Zeit sehen müssen. Vielleicht macht sie uns sogar stärker. „Andratuttobene“, ermutigen sich die Italiener gegenseitig. Alles wird gut! Und sie singen gemeinsam von ihren Balkonen herunter und sie klatschen Applaus für die Ärzte und Pflegekräfte, die ihr Möglichstes tun.

Besonnenheit. Zuversicht, die Kraft gibt. Und Liebe. Ich glaube, nur so kann man diese Wochen durchstehen, ohne in den Coronablues zu fallen. Und das ist kein blauäugiger Optimismus, der sich etwas vormacht. Es wird auch bei uns Schwerkranke geben und Menschen werden sterben – wie bei jeder Grippeepidemie. Auch da braucht es Solidarität mit den Trauernden. Und Zuversicht. Gott hält das Leben in der Hand, auch wenn wir sterben.

Er schenke uns seinen Geist, damit wir uns nicht fürchten müssen.

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