Manuskripte

SWR3 Gedanken

25MRZ2020
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Heute, an einem 25. März ist das Böse besiegt worden. Ein für alle Mal, weil ein kleiner Hobbit mit bepelzten Füßen den einen Ring, sie alle zu knechten, in die Feuer des Schicksalsberges in Mordor geworfen hat und damit Sauron besiegt hat.

Wer jetzt nichts verstanden hat, der hat noch nicht „Der Herr der Ringe“ von J.R.R. Tolkien gelesen oder die Filme geschaut. Und dabei ist das eine interessante Lektüre, besonders heute am „International Tolkien-Reading-Day“.

Sicher, die knapp 1400 Seiten wird man nicht an einem Tag lesen können, aber bei Tolkien finde ich - gerade als Pfarrer und Theologe - irgendwie immer etwas Interessantes. Denn Tolkien selbst war zeitlebens ein bewusster und gläubiger Katholik. Und im „Herr der Ringe“ sind zahllose Anspielungen auf biblische Geschichten und Traditionen zu finden, eben auch die mit dem 25. März. Denn nach alter englischer Tradition hat man am 25. März früher der Kreuzigung Jesu gedacht. Für Christen ein hoher Feiertag und der Tag, an dem der Tod besiegt wird, so erzählt die Bibel. Das „Böse“ in der Ringe-Saga und in der Bibel wird also am gleichen Tag besiegt – Tolkien wusste solche Dinge. Inzwischen gibt es diese Tradition mit dem 25. März in der Kirche nicht mehr. Inzwischen denken wir Christen an Karfreitag, an die Kreuzigung Jesu.

Dafür ist heute – neun Monate vor Weihnachten – der Tag, als Maria von einem Engel erklärt wird, dass sie mit Jesus schwanger ist. Mariä Verkündigung heißt dieser Tag heute.

Finde ich auch passend, denn im „Herr der Ringe“ wird zwar das Böse besiegt. In unserer Welt und Wirklichkeit ist es allerdings noch nicht so weit. Gut also, dass in neun Monaten Jesus geboren wird. Diese Ankündigung bedeutet jedes Jahr einen Hoffnungsschimmer: Irgendwann wird das Böse durch das Gute überwunden sein. Tolkien hat ebenfalls daran geglaubt.

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