Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Ja, ich komme gleich!“ Ein kleines Versprechen, das nach fünf Minuten gebrochen ist – oder waren es schon wieder zehn? „Ja, ich komme gleich“ ist ein alltägliches, kleines Versprechen, aber es ist und bleibt ärgerlich, wenn die Familie wartet und das Essen kalt wird, weil ich dann eben nicht „gleich“ komme, sondern noch ein Telefonat führe, eine Mail schreibe und noch schnell ein Katzenvideo anschaue.

Schwerer wiegen natürlich die größeren Versprechen. Wer hier nicht Wort hält, bekommt richtig Schwierigkeiten.

Es gibt in der Bibel eine Jesus-Geschichte mit dem Zolleinnehmer Zachäus. Die Menschen mögen ihn nicht, weil er ihnen zu viel Geld abgenommen hat. Trotzdem geht Jesus zu ihm, redet und isst mit ihm. Und am Schluss gibt Zachäus ein großes Versprechen: ich werde den Menschen, denen ich zu viel Geld abgenommen habe, es vierfach zurückzahlen, sagt Zachäus zu Jesus.

Jesus freut sich darüber, aber ob Zachäus das je gemacht hat, was er da versprochen hat, wird nicht erzählt. Und Ich stelle mir vor, wie es weiterging. Vielleicht hat er ja hinterher geschummelt und den Armen doch nicht die Hälfte abgegeben. Oder er hat gar nicht alle aufgesucht, die er betrogen hat. Vielleicht hat er es aber doch gemacht, einfach weil alle es gehört haben und er darum keinen Rückzieher machen konnte. Ich frage mich, was er getan hat und vor allem: Ist er dabei froh gewesen oder genervt?

Mir gefällt ja doch diese Idee am besten: Er hat etwas gezögert, hat sein Versprechen dann aber eingelöst und war am Ende erleichtert und froh. Denn bei mir ist es auch so: Wenn ich mein „ich komme gleich“ einhalten kann, dann geht es mir gut und den anderen auch. Und wenn ich ein großes Versprechen einhalte - schon gleich dreimal.

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