Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

11MRZ2020
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Sich auf den Weg zu machen ohne zu wissen, was einen erwartet – das ist nicht leicht: Einen Besuch zu machen und nicht sicher zu sein, ob man willkommen ist. Ein Gespräch zu führen, bei dem nicht klar ist, wie die Gesprächspartnerin auf das Thema reagieren wird. Mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die in vieler Hinsicht anders denken als man selbst. So etwas kostet mich oft Überwindung. Manchmal muss ich mich richtig innerlich darauf vorbereiten.

Mir gefällt deshalb, was Jesus seinen Jüngern mit auf den Weg gegeben hat, als er sie beauftragt hat, seine Botschaft weiterzugeben. Auch die Jünger konnten nicht wissen, wie sie und ihre Worte aufgenommen werden. In dieser Situation ermutigt sie Jesus: „Wenn ihr in ein Haus kommt, sagt zuerst: Frieden sei mit diesem Haus!“ (Lukas 10,5)

Ich finde diesen Ratschlag tatsächlich hilfreich – weil er die innere Haltung verändert. Frieden sei mit diesem Haus – sicher, auch ich würde das in der Regel nicht laut aussprechen. Aber wenn ich mich mit diesem Segenswunsch im Kopf auf den Weg mache, dann komme ich innerlich anders an: Freundlicher, zugewandter. Und das strahlt in aller Regel auch auf diejenigen aus, denen ich dort begegne.

Und was noch wichtig ist: Dieser Wunsch verändert auch meine Haltung, mit der ich in die Begegnung hineingehe. Wenn ich nicht weiß, was mich erwartet, habe ich schnell das Gefühl, der Situation ausgeliefert zu sein. Mit dem Friedenswunsch dagegen werde ich aktiv, habe ich etwas zu geben. Das gibt mir Sicherheit und macht mich gelassener.

Frieden sei mit diesem Haus – Friede sei mit dir! Dieser Wunsch, sagt Jesus, soll immer am Anfang stehen. Tatsächlich ist „Frieden“ im hebräischen und arabischen Sprachraum ja eine übliche Grußformel: Schalom – Salam! Vielleicht können wir diesen Friedensgruß mitdenken, wenn wir einander „Grüß Gott“ sagen oder „Guten Tag“ wünschen.

Natürlich wird trotzdem nicht jede Begegnung, jedes Gespräch harmonisch verlaufen. Aber ich glaube: Es verändert unsere Begegnungen, wenn wir unserem Gegenüber – vor allem anderen – Frieden wünschen. Gerade weil die Welt vielfältiger und unübersichtlicher geworden ist, gibt es oft Situationen, in denen nicht vorauszusehen ist, wie sie ausgehen. Umso wichtiger ist es, selbst dazu beizutragen, dass sie friedlich verlaufen. Der Ratschlag von Jesus ist dafür, so finde ich, eine gute Grundlage: „Wenn ihr in ein Haus kommt, sagt zuerst: Frieden sei mit diesem Haus!“

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