Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Über den Tod zu sprechen und das eigene Sterben, ist nicht leicht.
Der amerikanische Regisseur Woody Allen hat es auf witzig-ironische Weise versucht. „Ich habe keine Angst zu sterben,“ hat er einmal gesagt, „aber ich will nicht dabei sein, wenn es soweit ist.“

Ob mit oder ohne Witz und Ironie – der Tod bleibt ein beunruhigendes Faktum in unserem Leben! Darum finde ich im heutigen Lied die heitere und gelöste Haltung zu diesem Thema besonders auffällig und bemerkenswert. „Bist du bei mir“, so beginnt es, „geh‘ ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh.“

Die Arie findet sich in Johann Sebastian Bachs „Notenbüchlein“ für seine Frau und künstlerische Weggefährtin Anna Magdalena.

„Bist du bei mir, geh’ ich mit Freuden
zum Sterben und zu meiner Ruh’.

Dass wir „mitten im Leben mit dem Tod umfangen“ sind, hat auch Martin Luther bewegt. Er konnte das aushalten, weil er sich gewiss war, dass es etwas Größeres gibt als den Tod. Ein Leben nämlich, das auch den Tod umschließt und umfangen hält.
Aber ob diese Gewissheit am Ende dann auch trägt? Ob da Hände sind, bei denen ich mich aufgehoben fühlen kann? Im Lied ist das vorsichtig in der Möglichkeitsform ausgedrückt: „Ach wie vergnügt wär‘ so mein Ende, es drückten deine lieben Hände mir die getreuen Augen zu!“

Ach, wie vergnügt wär’ so mein Ende,
es drückten deine schönen Hände
mir die getreuen Augen zu!“

Der christliche Glaube hat seine Pointe darin, dass dem Tod die Macht genommen ist. Und durch Christus etwas Unvergängliches ans Licht gekommen ist. So heißt es an einer Stelle im Neuen Testament.
Für mich begründet sich eben darin die heitere Gelassenheit dieses Liedes. Selbst wenn es für moderne Ohren befremdlich klingen mag, dass jemand „vergnügt“ auf sein Ende zugeht.

Wenn ich aber weiß, dass das Ende nicht das Ende ist, sondern dass ich mich wie im Leben so auch im Sterben in Gottes Hand befinde, dann schafft das Zuversicht und Hoffnung.
Und getragen von dieser Hoffnung muss ich den Tod nicht verdrängen. Und will - den Satz von Woody Allen abwandelnd – dann doch „dabei sein, wenn es soweit ist.“

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CD 1: Johann Sebastian Bach, Clavierbüchlein vor Anna Magdalena Bach, copyright by querstand, Verlag Klaus-Jürgen Kamprad, 2001, LC 03722

CD 2: Brass Heralds, German Brass, Edel Germany GmbH, Hamburg 2017,
CD 1, LC 06203

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