Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

29FEB2020
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Im Laufe einer Woche begegne ich vielen Menschen. Manche Begegnungen sind fest eingeplant, andere eher zufällig. Hin und wieder, wenn ich Zeit dafür finde, versuche ich am Wochenende, mich zu erinnern an die Tage zuvor und an konkrete Personen.

Wem bin ich begegnet? Bilder gehen mir durch den Kopf, Gespräche werden wieder wach. Hin und wieder kommt es vor, dass Menschen mich darum bitten: „Schließen Sie mich ein in Ihr Gebet!“ Dahinter kann ein persönliches Schicksal sein, eine Krankheit, Beziehungsstress, Angst vor der Zukunft. Meine Zusage, dies zu tun, ist ihnen wichtig. Sie spüren und sie können sich darauf verlassen: ‚Das Gespräch geht weiter. Der denkt an mich. Der legt in seinem Beten ein gutes Wort für mich ein‘. Wie oft komme ich mir dennoch ohnmächtig vor. Ich kann nichts ändern an der Situation des einzelnen. Bei mir als Seelsorger gibt es kein Rezept für dieses oder für jenes Medikament, keine Therapie mithilfe medizinischer Hilfsmittel.

Aber auch ich spüre, dass ich meine Ohnmacht teilen kann, mitteilen im Gebet. Das kann helfen, und zwar allen, die beteiligt sind. Eine ‚Win/Win-Situation‘ sozusagen. Jeder von uns gewinnt! Im Wissen um die Beteiligung ‚einer anderen Instanz‘. Das ist – ob mit oder ohne Auftrag eines anderen Menschen – ein Vorsatz für diese neue Fastenzeit: ‚Ich bete für andre‘. Falls mir passende Worte fehlen oder klare Gedanken schwerfallen, dann kann ich einfach eine Kerze anzünden, zuhause, im Büro oder auch in einer Kirche. Da, wo es eben geht. Mit diesem Zeichen bin ich ‚für Dich da‘! Für Menschen, die mich darum gebeten haben, und auch für andere, die gar nicht darum wissen.

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