Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Wer glaubt zittert nicht.“ Diesen Satz von Papst Johannes XXIII. habe ich vor Jahren gelesen. Und habe innerlich dagegen rebelliert. Auch wer glaubt kennt doch Furcht und Angst und zittert manchmal vor etwas – das ging mir ja selbst so. Aber im Laufe der Jahre habe ich verstanden und erlebt, wie Johannes XXIII. diesen Satz gemeint hat. Wenn jemand aus dem Vertrauen auf Gott lebt, dann kann er nach und nach anders mit seinen Ängsten umgehen. Zum Beispiel so, wie es der Psalm 23 widerspiegelt: „Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht: Ich fürchte kein Unheil. Denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht.“ (Ps 23, 4) Und am Ende steht die Erfahrung: „Du hast mir Raum geschaffen, als mir angst war.“ (Ps 4,2)

In den Psalmen findet man alles, was zum Leben dazu gehört. Auch Ängste gehören dazu. Sie können das Leben einengen und schwer machen. Wenn jemand vor allem Möglichen Angst hat und sich wenig zutraut, dann kann er sich nicht so richtig entfalten, dann ist das Lebensglück sehr eingeschränkt.

„Wer glaubt zittert nicht.“ Ja, der Glaube ist ein Weg, der die Menschen aus Ängsten in die innere Freiheit und Weite führt. Das erlebe ich ganz konkret. Zum Beispiel bei einem jungen Mann, der vor ein paar Jahren zum Gespräch zu mir kam. Daraus ist eine Geistliche Begleitung geworden, mit einem Gespräch pro Monat. Am Anfang saß er recht verschüchtert da. Wir kamen auf das zu sprechen, was ihm das Leben und das Herz einschnürt. Und im Laufe der Zeit fiel eine Angst nach der anderen von ihm ab. Er hat ganz konkret erlebt, dass der Glaube, dass das Gottvertrauen etwas Befreiendes ist. Jetzt sitzt er ganz anders da, seine Augen leuchten, er traut sich mehr zu – und mit vielem im Alltag kann er besser und freier umgehen. Er hat die gleiche Erfahrung gemacht, die die Psalmen widerspiegeln: „Gott führt mich hinaus ins Weite‘ (Ps 18,20)

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