Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Dieses Erlebnis werde ich nicht vergessen. Es fühlt sich wie ein besonderer Einschnitt in meinem Leben an.“ Das schrieb mir Nils, ein 22jähriger Medizinstudent. Was hat ihn da so beeindruckt? Das war seine Firmung. Wir hatten sie in der Kirche der Universitätsklinik in einem lebendigen und intensiven Gottesdienst gefeiert. Und der war für Nils etwas ganz Besonderes. Weil er sich jetzt, als Erwachsener, ganz bewusst dazu entschieden hat, sich firmen zu lassen.

Warum, das hat er zu Beginn des Gottesdienstes allen Anwesenden erklärt. Er hat gesagt: „Der Kontakt zur katholischen Kirche, in die ich als Säugling hineingetauft wurde, war in meiner Jugend eher spärlich ausgeprägt. Ich habe für mich keinen Wert darin gesehen, nach meiner Kommunion auch noch gefirmt zu werden. Der Glaube wurde überlagert von den Alltagsproblemen eines Jugendlichen: Schule, Hobbys, Freunde treffen. Eben das Alltägliche, was einen davon abhält, inne zu halten und zu überdenken. In den letzten Jahren ist mir dann immer klarer geworden, dass die Kirche, wieder eine Rolle in meinem Leben spielen soll. Die Kirche und mein Glaube sollen mich in meinem Leben begleiten, und ich möchte diesen vielleicht irgendwann auch an meine Kinder weitergeben. Denn er stellt eine Bereicherung für mich dar und kann auch eine Bereicherung für andere sein.“

Das hat Nils mit großer Überzeugung vor allen in der Kirche gesagt. Es war sein Glaubenszeugnis. Vor den Mitstudierenden, die gekommen waren; vor seinen Freunden von Uni-Chor und dem Kirchenchor, in denen er mitsingt, vor seiner Familie.

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich Nils die Firmung spenden konnte. Ich finde es super, wenn ein junger Erwachsener, der mit zwei Füßen auf dem Boden steht, sich ganz bewusst dafür entscheidet, dass Glaube und Kirche für ihn lebenswichtig sein sollen. Nils hat einen neuen Zugang dazu gefunden – und zwar wesentlich über die Kirchenmusik. Er hat im Kirchenchor mitgesungen und dadurch bewegende Gottesdienste miterlebt. Er hat mir gesagt: „Die Kirchenmusik ist ein verdammt großer Teil dessen, was mich emotional an die Kirche bindet - die Choräle, die Gemeinschaft.“ Dadurch hat er Kirche anders erlebt als früher, und durch die Musik ist auch Gott für ihn neu aufgeleuchtet.

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