Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

13FEB2020
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Schritt für Schritt. Das ist die Überschrift eines Gebetes[1].

Die Benediktinerinnen im Kloster Fahr in der Schweiz beten es jeden Donnerstag. Sie sehen, dass in der katholischen Kirche vieles nicht mehr wie bisher weitergehen kann und im Umbruch ist. Mit ihrem Gebet begleiten die Benediktinerinnen diesen Prozess.

Initiiert wurde das „Gebet am Donnerstag“ heute vor genau einem Jahr. Von der Priorin des Klosters, Irene Gassmann. Wie so viele andere ist sie davon überzeugt, dass die Kirche sich wandeln muss. Strukturen müssen überdacht und verändert werden, damit Macht nicht mehr so leicht missbraucht werden kann. Und damit Frauen und Männer gleichberechtigt in der Kirche arbeiten und leben können. Das geht nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt.

Damit so eine Veränderung möglich ist, braucht es Vieles: einen ehrlichen Blick auf das, was war und was heute ist. Ein offenes Ohr füreinander, damit andere Meinungen nicht von vornherein verurteilt werden. Mut, um respektvoll, aber ohne Tabus kritische Themen anzusprechen und Entschlossenheit, das, was nötig ist, zu verändern.

Und deshalb ist für Irene Gassmann klar, dass es neben Aktionen und Reformprozessen auch das begleitende Gebet geben muss. So wie damals, 1989, das Montagsgebet in Leipzig. Damals hat der frühere Präsident der DDR-Volkskammer, Horst Sindermann, gesagt: „Wir hatten alles geplant, wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“ Und dann fiel die Mauer.

Mit dieser Erfahrung im Kopf entstand die Idee für das Gebet am Donnerstag. Angefangen hat es eben im Kloster Fahr. Doch Einzelpersonen, aber auch Gruppen aus Kirchengemeinden in der Schweiz, in Deutschland und anderen Ländern haben sich angeschlossen. Und so ist mittlerweile ist ein Gebetsnetz entstanden, das helfen soll, dran zu bleiben und weiter zu hoffen. Gerade auch dann, wenn es mühsam ist und deutlich wird, dass sich in der Kirche nur sehr langsam was verändert.

Die Lage der Kirche macht auch mir zu schaffen. Ich bin von Herzen gern Theologin und Seelsorgerin und deshalb macht es mich mal traurig und mal wütend zu sehen, wie sich immer noch einige krampfhaft dagegen wehren, dass sich etwas ändert. Aber ich sehe auch, dass sich etwas bewegt. Dass es viele Menschen in der Kirche und einige Bischöfe gibt, die darauf vertrauen und daran mitwirken, dass sich was verändert. Und dass dadurch mehr Gutes geschaffen wird, als wenn alles bleibt, wie es ist.

Und deshalb werde ich mich heute dem Gebet anschließen und hoffen, dass Gott mich stärkt, mit und in der Kirche weiterzugehen. Schritt für Schritt.

 

[1] https://www.gebet-am-donnerstag.ch

https://www.kirche-im-swr.de/?m=30319