Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

13FEB2020
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„Die Kirchen sollen mehr von Gott reden und nicht dauernd übers Klima.“ So ähnliche Sätze begegnen mir in letzter Zeit öfter. Als Kommentar zum Beispiel, wenn wir hier im Wort zum Tag über die Verantwortung für die Erde sprechen.

Die Sache der Kirchen ist der Glaube, nicht Politik. So verstehe ich diese kritischen Stimmen. Ist an der Kritik etwas dran? Habe ich mich auch selbstkritisch gefragt. Ich rede ja auch im Radio immer wieder von unserer Verantwortung für die Erde. Warum rede ich davon und wie? Rede ich als Christ oder weil ich politisch auf der „Höhe der Zeit“ sein will?

Ich versichere Ihnen, es geht mir um den Glauben.
Zwei Argumente habe ich dafür. Das erste liegt in meiner Lebensgeschichte, wie ich glauben gelernt habe. Das zweite kommt aus der Bibel.

Zum ersten Argument: In meinem Glauben ist Gott ganz eng mit der Schöpfung verbunden. Von klein auf. Ich komme aus der Landwirtschaft. Da erfährt man: wir leben von der Erde. Man erlebt, dass die Erde Kraft hat, etwas wachsen zu lassen. Dass nichts wächst, ohne Sonne und Regen. Dass wir Menschen uns ohne die Güte der Schöpfung vergeblich abstrampeln. Das war mir immer sehr einsichtig. Und, dass wir prima mit der Schöpfung kooperieren können.
Heute sind diese Erfahrungen für mich auch Gotteserfahrungen. Ich glaube: dass die Erde immer wieder gut war und ist, das kommt von Gott, weil sie und ihre Geschöpfe aus Gott kommen. Er ist ein Freund der Erde und der Geschöpfe. Diese Erfahrung aus der Kindheit ist mit mir erwachsen geworden, und prägt mich immer noch.

Und – das ist das zweite Argument - ich finde diese Erfahrung auch in der Bibel. „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist“, steht in einem Psalm. Sie ist Gottes Schöpfung und wir Menschen ein Teil davon. Ein wichtiger Teil, aber nicht die Krone. Und Gott schafft immer noch an und in seiner Schöpfung. Ihre Evolution ist noch nicht am Ziel.

Auch darum, weil es in ihr so viel Leid gibt. Viele Geschöpfe leiden. Ganze Ökosysteme. Und wir Menschen sind dafür verantwortlich. Als Christ glaube ich, dass so viel Leid Gott nicht kalt lässt. Jesus hat gezeigt: Gott ist bei denen, die Leid ertragen müssen. Wenn er mit Menschen leidet, dann auch mit seinen anderen Geschöpfen.

Es geht um Gott und den Glauben, wenn wir von der Verantwortung fürs Klima reden. Ich meine nicht, dass wir Menschen „die“ Schöpfung bewahren oder gar retten können. Wer sind wir denn? Aber Leiden verringern. Und nicht immer noch mehr verursachen. Mit der Schöpfung kreativ kooperieren. Das können Menschen. Inspiriert vom Glauben, mit dem was wir tun, persönlich und politisch.

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