Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

11FEB2020
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Die Debatte um die Organspende hat es wieder gezeigt: Um kranke Menschen zu heilen und ihr Leben zu retten, sind wir zu äußersten Anstrengungen bereit. Und Medizin und Pflege überraschen uns immer wieder mit Heilungserfolgen.

Zugleich gibt es kranke Menschen, die nicht geheilt werden können. Weil es für ihre Krankheit keine Therapie oder Heilmittel gibt, weil sie auf den Tod erkrankt sind oder Alter, Schwäche und Krankheit eine unheilbare Verbindung eingegangen sind. Oder weil Armut und andere Faktoren Heilung fernhalten. Selbst die Organspende macht deutlich, dass unsere Heilkunst begrenzt ist: Denn sie setzt meist voraus, dass ein Mensch nicht mehr geheilt werden kann, und erst dessen Tod macht die Organspende.

Für religiöse Menschen können dauerhaft, ja unheilbar Kranke eine Herausforderung für ihren Glauben sein, besonders wenn Kinder krank sind. Warum lässt Gott zu, dass Menschen so leiden, warum werden nicht alle geheilt? Ein Priester antwortete mir auf diese Frage: “Warum Gott kranke Menschen heilt, weiß ich: Weil sie kranksind. Aber warum Gott nicht alleMenschen heilt, weiß ich nicht. Doch das wird meine erste Frage sein, wenn ich bei ihm ankomme.“ Nun, da werde ich noch etwas warten müssen.

Für die Zwischenzeit gibt die Bibel einen Hinweis:

Bei den sogenannten Werken der Barmherzigkeit geht es darum, Hungrige zu speisen, Obdachlose zu beherbergen, Nackte zu bekleiden und so weiter. Und es geht auch um die Kranken. Hier heißt es aber nicht, wir sollen die Kranken heilen. Sondern die Bibel empfiehlt: Die Kranken besuchen. Das geht bei allen Kranken, auch bei langfristig oder unheilbar kranken Menschen.  Mit einem Besuch können wir Anteilnahme, Zuneigung und Solidarität ausdrücken. Das ist freilich nicht einfach am Bett eines Schwerkranken oder gar Sterbenskranken. Deshalb gehört zu dieser biblischen Empfehlung eine Hoffnung dazu: Nämlich dass Gott mit am Krankenbett sitzt und den Sterbenden über den Tod hinaus ins Leben geleitet und ihn endgültig heilt. Die Bibel wählt das Bild, dass Gott selbst die Wunden verbindet und alle Tränen abwischt. Mit dieser Hoffnung können wir auch am Bett von Schwerkranken ausharren, selbst wenn wir ihnen medizinisch nicht mehr helfen können.

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