Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Valentinstag: Im vergangenen Jahr habe ich erlebt, dass ein Mann für seine Frau an diesem Tag Blumen besorgt hat. Damit hatte ich nicht gerechnet, das Paar stand kurz vor seinem 65. Hochzeitstag. Ich hatte die beiden besucht, um mit ihnen ihre Eiserne Hochzeit vorzubereiten. Die sollte mit der Familie gefeiert werden. Und dann standen da wunderschöne rote Rosen auf dem Tisch. „Von mir!“ hat der Jubel-Bräutigam gesagt. Also habe ich es gewagt, die beiden genauer nach ihrem Rezept für ihr langes Miteinander zu fragen. Der alte Mann meinte: „Gegenseitiges Vertrauen und vor allen Dingen Humor.“ Und sie führte fort: „Über manche Dinge, über die man sich geärgert hat, kann man im Nachhinein doch nur lachen! Warum also nicht gleich. Nicht ärgern, sondern lachen.“ „Und“, hat er gesagt „Kleine Aufmerksamkeiten – wie die Rosen!“ Mir hat das gefallen.

Der gemeinsame Start der beiden war nicht einfach gewesen. Sie hatten, wie man damals landläufig gesagt hat „verschiedene Gesangbücher“. Das hieß: Sie war katholisch und er evangelisch. Damals eine Unmöglichkeit. Aber die beiden waren sich ihrer Liebe sicher und sind ihren Weg miteinander gegangen. Der war auch nicht immer leicht. Sie haben sich aber immer wieder gefunden und an ihrem Miteinander gearbeitet. „Und darum möchten wir jetzt zusammen mit unserer Familie und Freunde das Leben feiern und nicht erst dann zusammenkommen, wenn einer von uns zum Herrgott geht. Ihm sind wir dankbar. Uns kann jetzt tatsächlich nur noch der Tod trennen und das auch nicht wirklich.“

Das Leben im Hier und Jetzt zu feiern. Dankbar zu sein für den gemeinsamen Weg und ehrlich auf diesen zu schauen. Das ist etwas sehr Schönes.

In die Kirche kamen dann alle Kinder mit den Partnern, die Enkelkinder und auch das kleine Urenkelchen, dazu Freunde und Weggefährten. Es war ein schöner und bewegender Gottesdienst. Es tat allen – Jung wie Alt- gut, einmal gemeinsam auf das Leben des Paares und damit auch auf das eigene Leben zu schauen. Höhen und Tiefen wurden benannt. Die Kinder und Enkel haben für das Jubelpaar gebetet. „Wenn man eines von unseren Großeltern lernen kann“ hat hinterher ein Enkelkind gesagt, „dann, dass sie in ihrem Herzen immer jung und verliebt geblieben sind.“

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