Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

07FEB2020
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„Da bin ich nicht gut getroffen“. Dass sagen viele, wenn ihnen ein Foto von sich gezeigt wird. Mit ihrem eigenen Aussehen sind viele nicht zufrieden und deshalb auch nicht mit dem Foto von sich. Und das Bild, das wir von uns selbst haben, ist nicht leicht zu verändern. Zumal wir diese Sicht ja oft schon in der Kindheit übernommen haben. Irgendetwas hat sich da eingeprägt und man wird es nicht mehr los.

Ich habe mal gehört: Als eine Frau nach einer Schönheitsoperation den Verband von ihrem Gesicht abgenommen bekam war ihre erste Reaktion gegenüber dem Arzt: Sie haben ja überhaupt nichts verändert. Diese Frau hat nicht die neue Realität gesehen, sondern nur das, was sie schon immer gesehen hat. Sie war auf ihr negatives Selbstbild fixiert.

Auf der anderen Seite wundere ich mich über manche Partnerwahl. Was hat er oder sie bloß an dieser Person gesehen? Mir fällt es dann schwer, die entsprechende Schönheit zu entdecken. Macht Liebe blind oder macht Liebe den andern schön? Ich denke beides ist möglich. Liebe kann im Geliebten Schönheit sehen, die andere nicht erkennen.

Wenn sich jemand selbst nicht schön findet, fehlt es dann vielleicht an Liebe zu sich selbst?
Nun möchte wohl niemand umgeben sein von selbstverliebten, eingebildeten Zeitgenossen. Aber wer unzufrieden mit sich selbst ist, verbreitet auch nicht gerade eine gute Stimmung.

Wie kommt man da in ein gesundes Gleichgewicht? Ich glaube: Selbstliebe ist nichts Unchristliches. Schließlich war es Jesus, der gesagt hat: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Am leichtesten fällt die Liebe zu sich selbst, wenn man sich geliebt weiß. Wenn ich einem lieben Menschen viel bedeute, wertet das mein Leben stark auf.

Und wenn ich Gott unendlich viel bedeute, kann das eine noch stärkere Wirkung haben.

Jeder Mensch bedeutet Gott unendlich viel. Soviel, dass er zur Kontaktaufnahme Jesus Christus geschickt hat. Die Kontaktanzeige findet sich in der Bibel, wo es heißt: Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.

Diesen Kontakt kann man aufnehmen, indem man sich im Gebet an Jesus wendet.
Wenn ich ihm sage, was mich beschäftigt, trete ich in Kontakt mit ihm. Und wer sich ihm so anvertraut, kann überrascht werden von der Liebe Gottes.

Gott vergibt und verurteilt nicht. Er versteht und verachtet niemanden. Er macht einen Neuanfang möglich und nagelt einen nicht auf das Alte fest. Wer sich so von Gott geliebt weiß, kann in den Spiegel schauen und sagen: Ich bin schön, denn Gott mag mich so.

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