Manuskripte

SWR3 Gedanken

Gottvertrauen – was soll das sein? Die Hoffnung, dass irgendwie durch Gottes Hilfe am Ende alles gut wird? Wenn jemand zu mir sagt, ich müsse eben Gottvertrauen haben, dann heißt das meistens: Jetzt kannst du nichts mehr tun. Nur noch hoffen, dass Gott das Problem für dich löst.

Ein Kollege hat mir erzählt, wie er begriffen hat, was das ist: Gottvertrauen. Er ist in seinem Wohnhaus im Hausflur gestanden und hat auf seine Tochter gewartet. Die kleine Lisa hat sich oben ihre Jacke angezogen und ihren Vater unten an der Treppe stehen sehen. Plötzlich schaltet sie das Licht aus und ruft zu ihm hinunter: „Papa, ich spring jetzt!“

Und dann ist sie gesprungen. Die Treppe hinunter. Im Dunkeln. Mein Kollege hatte keine Zeit nachzudenken. Er hat die Arme ausgebreitet und hat sie aufgefangen. Für ihn ist das bis heute ein heiliger Moment. Er hat erlebt, wie groß das Vertrauen seiner Tochter war. Und wie er keine Sekunde gezögert hat, sie aufzufangen. Mit erhöhtem Puls und geöffneten Armen.

Manchmal muss man sich trauen, wenn man Vertrauen hat. Sagt mein Kollege. Seither hab ich eine Ahnung, was Gottvertrauen sein könnte für mich. Und merke mir den einen Satz: „Papa, ich spring jetzt!“

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