Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

„Ist da wer?“ Die Frage auf der Titelseite eines bekannten Magazins hat mich förmlich angesprungen. Farbig unterlegt mit einem Himmel voller Wolken als Hintergrund.

Ist da wer? Zu allen Zeiten haben sich Menschen darüber Gedanken gemacht, ob es Gott gibt. Die einen sagen: „Alles Phantasie, menschliche Einbildung“. Die Anderen glauben: „Nein, da ist eine unsichtbare Wirklichkeit, die mich berührt. Etwas, das größer ist als ich selbst“.

Auch ich finde diese Frage spannend: Ist da wer? Denn auch mein eigener Glaube will sich immer wieder neu vergewissern.

Mir ist klar, menschliches Erkenntnisvermögen reicht nicht aus, um auf diese Frage eine befriedigende Antwort zu geben. Versuche ich es dennoch, gerate ich schnell ins Spekulieren. Gott wäre dann - neben allem, was es gibt - etwas, was es zusätzlich auch noch gibt. Ein Gegenstand unter anderen Gegenständen, ein Gedanke unter anderen. Mit anderen Worten: ein Spekulationsobjekt.

So kann es also nicht gehen. Wie es die Bibel macht, hilft mir weiter! In der Bibel ist Gott nicht ein Etwas unter Anderem. Sondern der Grund dafür, dass es überhaupt etwas gibt: das Vorzeichen vor der Klammer von allem, was ist. Er ist Grund und Ursache dafür, dass nicht einfach Nichts ist.

Sondern dass mich eine vielfältige und bunte Welt voller Beziehungen, Bewegungen und Spannungen umgibt. Ein Kosmos, in dem ich leben und lieben, arbeiten und ausruhen darf. Und wo mir in besonderen Momenten bewusst wird, wie wenig selbstverständlich und wie wunderbar das alles ist.

Die Frage: „Ist da wer?“ ist also für mich nicht durch menschliche Vorstellungen zu beantworten. Nein, Gott beantwortet sie, in dem er sich selber vorstellt. In den großen und kleinen Details einer Lebensgeschichte. Dort wo ich glücklich bin und voller Lebensfreude. Aber auch dort, wo ich scheitere und an meine Grenzen stoße.

Die Hirten in der Weihnachtsgeschichte hätten an dieser Stelle von den Engeln gesprochen, die ihnen den Weg zeigten. Die drei Weisen aus dem Morgenland vom Stern, der ihnen vorausgeht. Für mich sind es Worte, die mir Mut machen. Zeichen der Zuwendung und Sympathie, die mir neuen Schwung geben und langen Atem.

Vielleicht kennen Sie auch solche Erfahrungen und Erlebnisse? Wo Ihnen etwas Größeres, Tröstliches und Segensreiches begegnet ist? Und wo die Frage: „Ist da wer?“ eine klare Antwort bekommen hat.

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