Manuskripte

SWR3 Gedanken

In Baden und Württemberg ist heute Kirchenwahl. Und das ist gut so.

Demokratie ist anstrengend. Aber für mich auch enorm wertvoll. Dass sie anstrengend ist, das habe ich in den vergangenen Wochen erlebt. In den evangelischen Gemeinden in Baden-Württemberg wird heute nämlich gewählt. Unsere Kirchengemeinden werden ja nicht nur von Pfarrerinnen oder Pfarrern geleitet. Ganz normale Gemeindeglieder bilden den so genannten Kirchengemeinderat oder Ältestenkreis. Und der ist es, der alles bestimmt.

Bisher habe ich immer nur gewählt. Jetzt bin ich zum ersten Mal mit dabei, eine Wahl zu organisieren. Und das ist echt anstrengend. Denn die Wahl besteht ja nicht nur aus dem Wahltag. Wahlunterlagen erstellen, eintüten und zustellen. Dafür sorgen, dass am Wahltag alles richtig abläuft. Dafür braucht es engagierte Leute. Und es braucht natürlich auch die, die sich wählen lassen und Verantwortung übernehmen wollen.

Heute am Wahltag zählt jede einzelne Stimme. Und das finde ich gut. Wir wählen ein Gremium, das unsere Kirchengemeinde in den nächsten Jahren leitet. Da besprechen wir alles miteinander, diskutieren oft auch kontrovers und finden am Ende einen Kompromiss. Das ist anstrengend, aber eben auch enorm wertvoll.

In der Kirche hat das schon eine lange Tradition. Petrus und Paulus waren zwei der ersten bekannten Gemeindeleiter. Und die waren sich bei einer Frage uneinig: An welche Regeln und Gesetze muss sich jemand halten, die Christin oder der Christ werden will? Am Ende haben sie einen Kompromiss gefunden, der uns bis heute prägt. Der lautet: Das Gesetz ist für den Menschen da und nicht der Mensch für das Gesetz.

Demokratie war und ist schon immer anstrengend. Und manchmal dauern Entscheidungen deswegen auch länger. Aber je mehr unterschiedliche Menschen sich einbringen, desto menschlicher und gerechter fallen am Ende die Entscheidungen aus.

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