Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Warum hilfst Du uns nicht?“ – das fragen die anderen Mäuse Frederick. Frederick, das ist eine kleine Maus in einem Bilderbuch. Ich muss gerade oft an dieses Buch denken, wenn ich unterwegs bin und alles so dunkel und grau ist.

Alle Mäuse sind fleißig. Sie sammeln alles, was man so als Maus halt fressen kann und legen sich so den Vorrat für den Winter an. Alle bis auf Frederick. Deshalb machen sie ihm Vorwürfe. Aber Frederick hilft wohl mit. Er sammelt Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Wie wichtig das ist, erfahren die anderen Mäuse dann später. Sie teilen ihr Essen und Frederick teilt das, was er hat. Er erzählt von den Farben des Sommers und wie warm die Sonne scheint.

Es ist schon so. Es ist Dezember. Mittlerweile haben auch die letzten Bäume ihre Blätter verloren. Es wird spät hell und früh dunkel und an manchen Tagen da schafft es die Sonne nicht wirklich durch den Nebel. Wenn irgendwo was blüht, dann höchstens in unseren Wohnungen.

Das drückt auch auf die Stimmung. Das schöne ist aber: Ich kann was dagegen tun! Ich kann es machen wie Frederick die kleine Maus. Denn glücklicherweise müssen wir uns keine Sorgen darüber machen, ob wir auch im Winter etwas zu essen finden. Aber Farben sammeln und schöne Wörter, das kann ich immer. Deshalb ist das mein Adventsvorsatz in diesem Jahr: Ich möchte jeden Tag ein bisschen Farbe suchen und ein schönes Wort. Davon gibt es gerade im Advent genügend. Heute ist z.B. der Barbara-Tag. Wenn man heute einen Kirschzweig schneidet oder Forsythie, dann blühen sie an Weihnachten. Es gibt aber auch Farben bei den Kerzen am Adventskranz, die vielen bunten Kindermützen, überall die blinkenden Lämpchen der Weihnachtsmärkte und die schönen Farben der Weihnachtssterne. Und es gibt gerade ganz besonders schöne Worte: Christstollen, Glühpunsch, Engelshaar, Christkind.

Richtig dunkel wird es draußen dann nach Weihnachten. Wenn auch die Weihnachtsmärkte vorbei sind. Dann kann ich meine Farben teilen.

Wie das geht? Indem ich mir Zeit nehme. Mit anderen Leuten rede. Zuhöre. Wenn ich die Geschichte erzähle, wie ein kleines Kind, geboren in Bethlehem im Stall, unsere Welt ganz schön auf den Kopf gestellt hat. Wie viel Farbe und Licht dieses Kind zu uns gebracht hat. Ich glaube, dann kann etwas entstehen, zwischen Menschen. Hoffnung und Zuversicht, dass auch der Frühling wiederkommt und die Farben.

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