Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Sankt Martin - das war der römische Soldat, der seinen Soldaten-Mantel mit einem Bettler geteilt hat und dem in der Nacht darauf Jesus Christus im Traum erscheint, angetan mit dem halben Mantel; und Jesus sagt den Engeln: Martinus hat mich mit diesem Mantel bekleidet. Übrigens ist Martinus da ein ziemliches Risiko eingegangen: Die Ausrüstung der römischen Soldaten gehörte schließlich dem Kaiser; und war ein staatliches Symbol der Macht. Den Mantel zu zerreißen, das war ein Staats-Vergehen.

Alles richtig – und gut, dass in diesen Tagen die Szene  mit Martin auf dem Pferd und dem Bettler und dem geteilten Mantel  immer wieder mitläuft bei den Martinszügen überall im Land. Und dass die Kinder und Familien das Licht in den dunklen Abend tragen mit ihren Laternen – ein Licht, das sich der Liebe verdankt und das die Herzen erwärmen kann und die ganze Welt.

Ist es also egal, ob sie zum Martinszug kommen oder zum SonneMondundSterne-Fest oder zum Laternen-Zug? Auch der Soldat Martinus war noch auf Distanz zu Kirche und Glauben; hat sich einfach von der Not eines anderen Menschen hinreißen lassen. Jedenfalls war das wohl noch vor seiner Taufe.

Keineswegs egal! Ich weiß, dass viele muslimische Eltern jedenfalls seltsam finden und eher befremdlich wenn im Kindergarten oder in der Grundschule darüber diskutiert wird:  dass doch bitte mit Rücksicht auf die Kinder aus muslimischen Familien oder aus Familien ohne Religion auf die Geschichte mit dem heiligen Martin verzichtet werden soll. Hauptsache bunte Lichter und kindgemäße Lieder;  und Weckmänner oder Brezen würden doch auch ohne gehen… Ganz im Gegenteil, sagen sie dann:  Auch im Islam sind Barmherzigkeit und Mildtätigkeit religiöses Gebot; wie sie sich den Menschen in Armut besonders zuwenden können: da finden auch muslimische Eltern den heiligen Martin  ein gutes Beispiel und Vorbild.  Und darauf wollen Kitas und andere verzichten – angeblich aus Rücksicht?

Christ geworden ist ja der historische Martinus erst nach seiner Mantelteilung. Und dass er mit seiner Tat genau das getan hatte,  was Jesus von jedem Christenmenschen irgendwie erwartet: Dass sie teilen, was sie haben; dass sie die krassen Unterschiede ausgleichen zwischen reich und arm – weil sie alle von Gottes Liebe leben und die weitergeben sollen und können… – das  hat der Soldat Martinus erst nachträglich erfahren. Ich finde das schön und bin dankbar dafür –  auch weil es bis heute zum Teilen einlädt und motiviert.

Aber wenn manche nur ein Lichterfest feiern: ist doch auch schon mal schön; wer weiß, welches Licht ihnen dabei oder danach auf Dauer noch aufgeht…

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