Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

15NOV2019
AnhörenDownload
DruckenAutor

Heute können sie den Klimawandel stoppen. Nicht für die ganze Welt, aber in Ihrer Welt. Dort wo, sie leben. Ich meine nicht den meteorologischen Klimawandel. 

Ich meine den gesellschaftlichen Klimawandel. Auch das Klima der Menschen untereinander ändert sich, finde ich. Es sind schädliche sprachliche Emissionen, die das Klima vergiften: Lästern zum Beispiel, Gerüchte, Fakenews oder Hasstiraden.

Etliche Zeitungen z.B. haben in ihrer Onlineausgabe die Kommentarfunktion eingestellt. Grund ist die nicht mehr zu bewältigende Zahl von beleidigenden Äußerungen, die gelöscht werden müssen.

Ähnliche Probleme im Umgang der Menschen untereinander hat es wohl schon immer gegeben. In einem Brief, der in der Bibel aufbewahrt ist, lese ich (Eph4, 29):

Redet nicht schlecht voneinander, sondern habt ein gutes Wort für jeden, der es braucht. Was ihr sagt, soll hilfreich und ermutigend sein, eine Wohltat für alle. 

Der Briefschreiber hat um die Wirkung giftiger Worte gewusst, wenn schlecht über andere geredet wird. Sein Ziel ist aber nicht nur, giftige Worte zu verhindern, sondern stattdessen heilsame Worte hervorzubringen. Jeder übt mit seinen Worten einen großen Einfluss aus, den wir oft unterschätzen. 

Die Menschenwürde halten wir hoch und können sie doch gleichzeitig so leicht mit Worten verletzen.

Aber statt das Miteinander durch unsere Worte zu gefährden, können wir es ja durch unsere Worte auch fördern.

Jeder nimmt jeden Tag auf seine Weise Einfluss auf die Atmosphäre zu Hause, in der Nachbarschaft und in der Firma, wo wir ja sogar vom Betriebsklima sprechen.

Wie lässt sich da der Klimawandel, wie lassen sich die schädlichen sprachlichen Emissionen stoppen? Der nötige Klimaschutz besteht nicht nur in der Vermeidung giftiger Worte. Er ist zutiefst eine Frage der inneren Haltung, der Einstellung zu den Menschen um uns herum. Wenn mir jemand viel bedeutet, werde ich ihn nicht niedermachen. Vielmehr werde ich ihn eher aufbauen, ermutigen. So wie wir es mit Kindern tun, wenn ihnen etwas misslungen ist. Je nachdem also wie ich den anderen sehe werde ich mit ihm und über ihn reden. Als Christ glaube ich, dass jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist. Das gilt auch für die, die mir das Leben schwer machen. Auch die besitzen ihre einzigartige Bedeutung und Würde als Geschöpfe Gottes. Wenn ich aus diesem Blickwinkel die Menschen um mich herum betrachte, gewinne ich eine neue Grundhaltung, die sich auch in der Wortwahl ausdrückt.

Daher ist es nicht übertrieben, dass sie heute den zwischenmenschlichen Klimawandel nicht nur stoppen können, sie können sogar das Klima verbessern. 

Dazu wünsche ich ihnen einen heiteren Tag unter Gottes Segen.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29756