Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Manche Zeitgenossen stehen heute voller Vorfreude auf. Denn endlich beginnt sie, die fünfte Jahreszeit. Heute, um 11 Uhr 11 fällt der Startschuss für die neue Faschings- oder Karneval-Session. An vielen Orten gibt es dafür eine eigene Tradition. Noch dauert es zwar einige Monate bis zum karnevalistischen Höhepunkt mit Prunk- und Stunksitzungen sowie den Umzügen am Rosenmontag. Aber ab heute bereiten sich manche schon darauf vor. Sie überlegen sich vielleicht schon, wie sie sich verkleiden, wie sie ihre Wagen und Umzüge gestalten wollen. Warum beginnt der Karneval bereits am 11. November? Manche sagen, das hängt mit dem Advent zusammen. In drei Wochen ist ja der erste Advent. Und Advent war ursprünglich eine Fastenzeit. In der Adventszeit sollen sich Christen innerlich auf Jesu Kommen in die Welt und in ihr Leben ausrichten. Deshalb verzehrte man vor Beginn der adventlichen Fastenzeit all jene Lebensmittel, die nicht „fastenzeittauglich“ sind. Das waren bis ins 19. Jahrhundert hinein Fleisch, Fett, Schmalz, Eier und Milchprodukte. Das bedeutet: Jetzt stillt man seinen „Hunger“ auf Fleisch oder Süßigkeiten. Dennoch gibt es in den Wochen bis zum ersten Advent bereits erste Faschings- und Karnevalsveranstaltungen.

Welches Motto die jeweiligen Faschingshochburgen in diesem Jahr wählen, weiß ich nicht. In der Bibel jedoch finde ich ein Motto, das gut zu Fasching und Karneval, zum Feiern und Verkleiden passt. Es lautet: „Sei weise zum Guten, aber geschieden vom Bösen“ (nach Römer 16,19). Dieser Hinweis auf das zwischenmenschliche Miteinander ist nicht nur für den Umgang in der Faschingszeit sinnvoll, sondern ganz generell. „Sei weise zum Guten“ fordert auf eine angenehme Weise heraus. Denn dann überlege ich mir nicht, wie ich mein Gegenüber schädige oder in den Schatten stelle. Ich überlege mir auch nicht, wie ich ihn in die „Pfanne haue“ oder mich über sie lustig mache. Sondern ich überlege, was meinem Gegenüber „gut“ tun könnte. Mit dieser Grundmelodie, meinem Gegenüber „Gutes tun zu wollen“ ließe sich gewiss prima Fastnacht, Fasching feiern. Ich denke darüber nach, was mein Gegenüber braucht, um sich wohl zu fühlen und gern feiern zu können – einerlei ob verkleidet oder nicht. So wünsche ich Ihnen heute einen gesegneten Tag und einen erfreulichen Anfang der „fünften Jahreszeit“.

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