Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Seit fast 80 Jahren zieht das Dorf Taizé in der Mitte Frankreichs Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt an. Der Grund: Die Gemeinschaft von Taizé. Ein internationaler ökumenischer Männerorden, der von Roger Schutz gegründet wurde. Ein zentrales Element der Gemeinschaft von Taizé sind ihre charakteristischen Gesänge. Viele dieser kurzen Rufe, Kanons und Lieder sind in lateinischer Sprache verfasst. Die Liturgiesprache der Kirchen. Auch eine Sprache, die niemanden bevorzugt und Menschen verbinden kann.

 

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth.

 

Singen ist in Taizé mehr als nur Beiwerk für den Gottesdienst. In Taizé, heißt es, wird mit Gesängen gebetet. In den Liedern bekommt die Suche nach Gott und die Auseinandersetzung mit dem Glauben eine Sprache und vor allem Melodien. Nicht von ungefähr sind die meisten Taizé-Lieder minimalistisch angelegt. Kurze Texte und knappe Melodien. Sie ermöglichen es, dass die Gesänge wieder und wieder gesungen werden können. In der Wiederholung schaffen sie dann eine meditative Atmosphäre.

 

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth.

 

In der Kunst gibt es viele Beispiele für einen großartigen Minimalismus: Mark Rothko, der allein mit farbigen Flächen arbeitet, Ernst Jandl, der mit wenigen Worten eine ganze Welt entwirft. Auch in den Gesängen von Taizé zeigt sich dieser Minimalismus. Hier werden Melodien und Texte radikal reduziert. Der Effekt: Die religiöse Aussage wird konzentriert. Sie prägt sich ein. Wird zur gesungenen Meditation.

 

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth. / Pleni sunt coeli et terra gloria tua. / Hosanna in excelsis. / Benedictus qui venit in nomine Domini. / Hosanna in excelsis.

 

Das Sanctus ist ein besonders gelungenes Beispiel für das konzentrierte und meditative Singen von Taizé. Zugleich gibt es eine unglaublich raffinierte Komposition zu erkennen. Als Basis dient ein vierstimmiger Kanon mit dem knappen Text »Sanctus, Dominus Deus Sabaoth«. Darüber wird der liturgische Text des Sanctus gelegt. Als neunstimmiger Kanon. Nicht ganz einfach zu singen, aber unglaublich kraftvoll. Mit wenigen Noten und einem alten Text öffnet dieser Gesang aus Taizé einen großen Meditations- und Gebetsraum. Schafft eine Atmosphäre, in der Menschen spüren können, wie sie mit anderen und Gott verbunden sind.

 

Sanctus, sanctus, sanctus Dominus Deus Sabaoth.

 

 

 

Sanctus (Kanon)

Text: Liturgie

Musik: Jacques Berthier

CD Unterwegs. Lieder und Gesänge (1998) Track 18,

© Deutsches Liturgisches Institut Nr. 7113

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