Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

Ich brauche Musik zum Leben! Weil Musik mir gut tut. Zum Bügeln höre ich gerne fröhliche, flotte Musik, weil nämlich dann das Bügeleisen viel schneller über die Bluse gleitet als ohne Musik. Beim Autofahren höre ich Radio und lasse mich von der Liedauswahl überraschen.

Aber auch wenn ich traurig bin, wenn ich den Eindruck habe, der vor mir liegende Tag wird nichts oder nicht so wie ich ihn gerne hätte, gerade dann brauche ich Musik. Ein paar schöne Lieder, deren Texte mir gefallen oder ein paar schöne Melodien. Schon wird der Tag irgendwie heller.

Musik tut mir gut. Ich kann dann abschalten, meine Gedanken auf etwas anderes lenken, ich fahre sozusagen mein Betriebssystem etwas runter und beeinflusse meine Stimmung.

Über diese Art von heilsamer Musik wird auch schon in der Bibel erzählt. Der König Saul, heißt es, war schwermütig. Und die beste Medizin für ihn war: Musik. Deshalb hat der König ganz gezielt nach einem Menschen suchen lassen, der ihn mit Harfenmusik wieder fröhlich machen konnte. Auf diese Weise ist der Hirtenjunge David an seinen Hof gekommen und immer, wenn es Saul schlecht ging, hat David für ihn musiziert. Und – so heißt es dann in der Überlieferung – „Saul erquickte sich und es ward besser mit ihm“.

Ich kann das nachempfinden, weil Musik bei mir auf ähnliche Weise funktioniert. Ich muss nur die richtige Musik auswählen. Jetzt in diesen Tagen, in denen es früher dunkel wird oder es morgens beim Spaziergang mit dem Hund neblig ist, da brauche ich meine Musik. Und beim Autofahren suche ich mir ganz bewusst das Radioprogramm aus, das meine Musik spielt. Musik, die mir gut tut. Die muss nicht immer laut und fröhlich sein, sondern sie muss einfach zu mir und meiner Stimmung passen.

Manchmal hilft mir auch ein Lied des Hirtenjungen David, der später als König viele Lieder geschrieben hat, überliefert in den biblischen Psalmen. „Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“ (Ps 118, 24) So heißt es in einem seiner Lieder.

Mit Musik, alt oder neu, laut oder leise, fröhlich oder traurig – kann ich in dieses Lied einstimmen. Mal mehr, mal weniger. Aber doch ganz oft sehr beschwingt. Dank der Musik. Sie ist mein Energiespender. Ich brauche Musik zum Leben.

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