Manuskripte

SWR4 Abendgedanken

„Die drei ist eine gute Zahl“, hat unser Sohn gesagt. Er ist jetzt ein Schulkind. Und so sitzt er mittags am Tisch und macht Hausaufgaben. Mal mit mehr, mal mit weniger Freude. Auf alle Fälle kommentiert er immer alles. „Guck mal, das M sieht aus wie eine Rutsche, die wieder hochgeht.“ Oder eben: „Die drei ist eine gute Zahl!“

Eine gute Zahl. Das hatte ich noch nie gehört. Ich habe eine Lieblingszahl, die Acht. Aber ob die gut oder schlecht ist, darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht.

„Die drei ist eine gute Zahl, weil alle guten Dinge drei sind. Das habe ich mal gehört.“ So hat mein Sohn begründet, warum ihm die drei so gefällt..

Mich hat das zum Nachdenken gebracht. Ist das so? Warum nicht zwei oder fünf oder acht? Drei kommt ziemlich häufig vor. In der Chemie zum Beispiel, da sind die Zustände der Elemente entweder fest oder flüssig oder gasförmig. Im Fitnessstudio trainieren einige drei bestimmte Zonen: Bauch, Beine und Po. In der Mathematik rechnet man mit Höhe, Breite und Tiefe. Dreiteilig ist auch der sportliche Ehrgeiz: schneller, höher, weiter. Wer blöd ist, kann nicht bis Drei zählen. Und viele Abkürzungen bestehen aus drei Buchstaben. Zum Beispiel: FCK, ICE, ABC, MFG und VFB.

Warum die Drei so oft in unserem Leben vorkommt? Vielleicht hat das religiöse Gründe. In der Dreieinigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist ist sie die göttliche Zahl schlechthin. Die heilige Familie hat drei Mitglieder: Maria, Josef und Jesus. Die heiligen Könige waren zu dritt. Und Jesus ist am dritten Tag von den Toten auferstanden. Das ist doch wohl das Unglaublichste, das ich als Christin glauben kann.

Allerdings: Mit der Drei wird das Leben auch kompliziert. Das erste Kind macht aus der Zweisamkeit eine Dreiecksbeziehung. Drei Geschwister streiten öfter als zwei. Im Paradies geht’s Adam und Eva gut, bis die Schlange dazu kommt.

Die Drei steht also für Bewegung, für Harmonie, für Ehrgeiz, für Vollständigkeit. Aber auch für Probleme, Herausforderungen und so manche Auseinandersetzung. Kurz: Für das Leben. So, wie es nun mal ist. Und ich glaube: Genau deshalb sind aller guten Dinge drei!

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