Manuskripte

SWR3 Gedanken

Es war vor zehn Jahren. Ich erinnere mich noch gut: Robert Enke war tot. Der Fußballstar hatte sich das Leben genommen. Er war beliebt, 32 Jahre alt, Torwart bei Hannover 96. Hatte eine Frau und eine kleine Tochter. Die Betroffenheit war groß damals. Robert Enke hatte Depressionen und in einem Moment, in dem er ganz unten war, hat er wohl entschieden: ich kann nicht mehr. So wie ihm geht es jedes Jahr vielen Menschen. Manche denken, ich bin den anderen sowieso nur eine Last.

„Der hat mal wieder seine Depriphase“, sagt man ab und an so dahin. Als würden sich manche nur anstellen oder zu sensibel sein. Aber das stimmt nicht, die Depression ist eine schwere psychische Krankheit. Wenn die Seele schmerzt, braucht sie Hilfe. Eine Therapie, Gespräche, Medikamente. Und Menschen, die offen darüber sprechen können. 

Dabei ist das für die Lieben in der Nähe besonders schwer. Wenn sich der Partner plötzlich verändert, sich zurückzieht, das Zimmer oder Bett nicht mehr verlässt, nur noch weint oder verstummt. Und nichts davon lässt sich allein mit Liebe heilen. Daran verzweifeln oft auch die engsten Angehörigen. Die Witwe, Teresa Enke, hat darum eine Stiftung gegründet, die aufklärt und Angehörige unterstützen soll. Gut so. 

Zehn Jahre ist nun der Tod von Robert Enke her. Damals wurde eine Zeitlang öffentlich über die verschwiegene Krankheit gesprochen. Ich wünsche mir von Herzen, dass wir Verständnis haben für Menschen mit Depressionen. Dass wir nicht auf sie herabsehen, weil wir meinen, sie seien schwach. Und ich wünsche mir, dass wir Anteil nehmen am Leid der Betroffenen und Angehörigen. Nicht erst dann, wenn jemand sein Leben beendet hat, sondern schon zuvor.

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