Manuskripte

SWR3 Gedanken

Bei „Kirche“ denken die meisten erstmal an die Gebäude mit dem Kirchturm. Oder vielleicht an die Institution. Kirche ist aber viel mehr. Für mich und viele andere lebt sie auch in den sozialen Medien. Unter dem Hashtag #digitalekirche gibt’s Kirche im Internet. Modern, aktiv und vernetzt. Da erzählen Pfarrerinnen und Pfarrer aus ihrem Leben und `posten` etwas von ihrer Arbeit. Da gibt es Gebetsgemeinschaften. Mit oder ohne Bild und Ton. Und da vernetzen sich Menschen, die ähnliche Interessen haben. Immer wieder gibt’s auch sogenannte „barcamps“, Treffen mit Themen, die die Teilnehmenden selbst bestimmen. Rund um Kirche und Internet. 

Das ist was ganz anderes als der Sonntagsgottesdienst. Es sind auch andere Leute, die sich da treffen. Und doch gehen einige von ihnen auch sonntags in den Gottesdienst. Mir gefällt es, dass es Kirche nicht nur analog, sondern auch digital gibt. Neulich hat ein junger Pfarrer bei #digitale Kirche ein Mittagsgebet gepostet. Es war ein kurzer Text: „Gott, heute brauchen wir noch mehr als sonst ziemlich viel von deiner Liebe. Schenk uns dazu deinen Frieden, damit wir selbst Frieden herstellen können. In uns, unseren Familien, in unserem Land.“ 

Den Text hab ich gelesen, voll im Stress, zwischen zwei Terminen. Und habe dann gebetet. Zeitgleich mit vielen anderen. Das ist zu sehen, weil viele Kommentare dazu geschrieben wurden. Und vielen hat das Beten gut getan. Wir waren zwar nicht wirklich in einem Raum und es war nicht alles zur gleichen Zeit. Aber doch haben viele Menschen, an ganz verschiedenen Orten an diesem Mittag gemeinsam gebetet. Das ist das Schöne an den sozialen Netzwerken, dass sie zeigen, wir sind nicht allein, wir sind über Grenzen und den eigenen Kirchturm hinweg Kirche. Ich hoffe, dass immer mehr die #digitalekirche entdecken. Es tut nämlich echt gut, ein Teil davon zu sein.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29709