Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Klassentreffen - die Einladung kam per Mail.

Kann ich – will ich – soll ich dabei sein? Soll ich es diesmal versuchen? 

Was bringt so ein Treffen?

Schwelgen in Erinnerungen? Schmerzende Vergleiche?

Die einen haben Erfolg – die anderen nicht.

Das ist keine einfache Gemengelage. 

Bei Schulabschluss-Jubiläen drängt sich eine Teilnahme auf:

25 Jahre – 40 Jahre und so weiter – das sind Etappen - wie Lebensbilanzen, wie
Zwischensummen: Was ist seither geworden? Und wieso?
Was ist aus Träumen und Hoffnungen und Wünschen geworden?

Was denken die Anderen heute? Zu Fragen der Gegenwart?

Was erwarten und wünschen sie sich heute?

Die gemeinsamen Jahre in der Schule haben geprägt.

Sie sind mitgegangen.
Diese Jahre durchgehen, durchsprechen, erinnern – das kann man gut mit denen, die dabei waren.

Manche Schulklassen halten eng zusammen.
Jahr für Jahr gibt es Engagierte, die einladen und sich treffen.
Vielleicht werden gemeinsame Unternehmungen oder auch ein gemeinsames Engagement verabredet. Denkbar ist das. Aber auch realistisch? 

Ich denke mir:
Hab´ bloß keine zu hohen Erwartungen. Denn: Das kann gehörig daneben gehen.
Es muss ja nichts wieder neu aufleben.

Doch das eine – das reizt mich – und das wäre mir ein so großer Gewinn - und die Reise wert: Erinnerungen teilen. 

In der Bibel heißt es »Du sollst Vater und Mutter ehren«.
Was wörtlich soviel bedeutet wie: Nimm ihre Lebensgeschichte nicht auf die leichte Schulter – gib ihr Gewicht. Sie hat mit dir zu tun.
Auf die eigene Lebensgeschichte gewendet – kann das bedeuten:
Du sollst auch deine eigene Vergangenheit ehren! Und ihr Gewicht geben!
Sie ernst nehmen!
Hinschauen auf das, was war: Im Beruf, in der Partnerschaft und in der Familie.
Schau auf die wunderbaren Momente!

Schau auch auf Verirrungen und Verletzungen - auf das, was misslungen ist – ­
und auf das, wofür man sich heute noch schämt. 

Allein ist das schwierig.
Mit denen, die einen von früher kennen, die prägende Jahre miterlebt haben – ist das eine besondere Chance.
Nimm die eigene Lebensgeschichte wichtig. Genau das kann bei einem Klassentreffen passieren.

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