Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Es heißt, dass ich in jeder Lebenslage einschlafen kann. Auch wenn’s um mich herum laut zugeht. Kinder im Zugabteil. Kein Problem für mich. Oder wenn ein schweres Gewitter vorbeizieht. Aber es gibt auch Geräusche, die mich nerven, die ich als unerträglichen Lärm empfinde. Und da steht ganz oben: der Laubbläser. Das die Dinger laut sind, ist dabei nicht mal das Problem. Sondern, dass ich mich über sie ärgere, weil ich sie für nutzlos halte. Mit etwas gutem Willen könnte ich wenigstens sagen: Sie sorgen dafür, dass niemand auf dem Gehweg ausrutscht. Aber dann muss ich gleich wieder daran denken, dass da Benzin verplempert und Lärm gemacht wird, und alles für nix. Ohne dass dabei etwas herauskommt, was wirklich hilft. Ich könnte also nicht einschlafen, während einer mit einem Laubbläser hantiert, weil ich mich ärgere, nicht wegen des Lärms an und für sich.

Passend dazu habe ich ein Bonmot gefunden. Ich finde, es charakterisiert den Laubbläser treffend. Es lautet: „Das perfekte Symbol unserer Zeit ist der Laubbläser. Er verlagert ein Problem von einem Ort zum anderen ohne es zu lösen, benötigt dafür wertvolle Energie und macht eine Menge Lärm.“ Da steckt ein Stück Wahrheit drin. Auch wenn ich die Beobachtung nicht generell unterschreiben würde. Aber es gibt Beispiele, bei denen es genau so ist. Im Großen wie im Kleinen. Wo eben nicht an der Ursache gearbeitet, sondern an den Symptomen herumgedoktert wird. Das Laub bleibt liegen, an einer anderen Stelle. Statt es mit den Händen aufzunehmen und an geeigneter Stelle gute neue Erde daraus zu kompostieren. Elektroautos und CO2-Steuer. Sie verlagern nur das Problem. Wir verbrauchen einfach zu viel. Wir leben über unsere Verhältnisse. Und auch noch auf Kosten anderer. Die Lösung kann nur heißen: Weniger. Weniger Verkehr, weniger Geräte, die Strom fressen. In meiner Kirche beobachte ich das Gleiche. Es wäre Zeit für eine grundlegende und grundsätzliche Reform. Weg von der Alleinherrschaft der Bischöfe und Kleriker hin zu mehr Demokratie und Gewaltenteilung. So, dass am Ende eine echte Mitbestimmung herauskommt. Bisher wird nur viel und lange diskutiert und das Kirchenvolk, die Frauen zumal, bleiben außen vor.

In diesen Herbsttagen sind viele Laubbläser zugange. Ich finde: Sie sind zu nichts nütze. Aber ihre symbolische Kraft ermahnt uns wenigstens, die wirklich wichtigen Dingen nicht mit viel Luft und Lärm von einer in die andere Ecke zu blasen.

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