Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Was habe ich eigentlich zu geben? Gerade in schwierigen Situationen denke ich oft: Nicht viel. Wenn ein Freund ernsthaft krank ist oder wenn ich in den Nachrichten von Krisengebieten höre – oft denke ich: Da kann ich nichts machen – da hilft nur ein Wunder. Kürzlich hat mich eine Geschichte aus der Bibel dazu gebracht, dieses Gefühl der Machtlosigkeit noch mal zu überdenken.

Die Geschichte spielt in Jerusalem. Sie beginnt mit einer Szene, die sich auch heute noch so ähnlich abspielen könnte: Petrus und Johannes, zwei Schüler von Jesus, gehen in den Tempel, um zu beten. Vor dem Eingang sitzt ein gelähmter Mann, der bettelt. Eine bekannte Situation. Was tun?

Petrus schaut den Mann an, der Bettler erwartet ein Geldstück. Aber Petrus reagiert anders, als der Mann erwartet: „Geld habe ich nicht. Aber was ich habe, will ich dir geben!“, sagt er. Und dann fordert den Mann auf: „Im Namen Jesu, steh auf und geh!“ Er fasst ihn bei er Hand und, so erzählt die Bibel, das Wunder geschieht. Der Gelähmte kann laufen.

Bisher hatte ich immer den Eindruck: Mit mir hat diese Geschichte nicht so viel zu tun. Denn Wunder tun kann ich leider nicht.

Diesmal aber ist mir hängen geblieben, was Petrus gesagt hat: „Was ich habe, will ich dir geben!“, hat er dem gelähmten Mann versprochen. Das hat mich herausgefordert zu überlegen: Was habe ich eigentlich? Was kann ich geben. Und: Was will ich geben?

„Geld habe ich keins“, hat Petrus gesagt. Für ihn stimmte das. Für mich schon mal nicht. Was ich habe, will ich dir geben – anders als Petrus kann ich den Satz auch materiell weiterdenken. Wie viel kann ich geben? Wie viel will ich geben? Und wem? Und warum? Auch mit Geld kann man ja viel bewirken und helfen. Der Bettler in der Geschichte hatte bis zu diesem Tag überlebt, weil einige bereit waren, etwas von ihrem Geld zu geben. Hilfsorganisationen sind heute noch darauf angewiesen.

Was ich habe, will ich dir geben. Was habe ich noch? Zeit habe ich kaum übrig – aber manchmal schon. Auch die kann ich geben. Hoffnung und guten Mut – ja tatsächlich. Oft gelingt es mir, die Dinge positiv zu sehen. Und manchmal wirkt das ansteckend. Oder: In manchen Fragen kenne ich mich besser aus als andere. Auch Wissen oder Informationen kann ich also weitergeben, statt sie für mich zu behalten.

Deshalb: Oft braucht es keine Wunderkräfte, um zu helfen. Nur die Einstellung: Was ich habe, will ich dir geben. Denn ich bin sicher: Wir alle haben etwas zu geben – eben jeder und jede etwas anderes.

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