Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

„Im Himmel gibt es bestimmt auch eine klare Hierarchie!“ Der Inhaber eines kleinen Familienbetriebes hat das unlängst zu mir gesagt. „Es muss geklärt sein, wer der Chef ist!“

Ich war ganz schön entsetzt. „Von einem Himmel, der nur das fortschreibt, was zu den alltäglichen Erfahrungen gehört, habe ich nichts zu erwarten“, sagte ich zu meinem Gesprächspartner. Mir ging plötzlich so einiges durch den Kopf. Ich möchte nicht meine Erfahrungen im hier und jetzt doch nicht in den Himmel projizieren. Mir hilft die Gegenrichtung da schon eher weiter. Ich möchte den Himmel schon jetzt in mein Leben hineinziehen. Er stellt mir eine Alternative vor Augen, wenn mir die Gegenwart über den Kopf wächst. Der Himmel ist einfach anders, denke ich. Dinge, die mich belasten und die mir das Leben schwermachen, gibt’s dort hoffentlich nicht mehr. Und einen Chef der einfach nur anordnet, was ich zu tun und zu lassen habe, schon gar nicht.

Die Bibel ist voller Bilder, wenn sie uns diese neue Welt Gottes vor Augen malt. Und sie verlegt den Himmel auch nicht an einen fernen Ort, an den ich erst irgendwann einmal komme. Am Ende meines Lebens. Oder gar erst danach. Die neue Welt Gottes fängt jetzt schon an, wirklich zu werden. (Lukas 17,21) Nicht gänzlich. Davon sind wir noch weit weg. Aber sie blitzt immer wieder auf.

In der Bibel finde ich Sätze, die ganz konkret beschreiben, worauf es in Gottes neuer Welt nicht mehr ankommt. Etwa bei Paulus in einem seiner Briefe: „In der neuen Welt Gottes“, schreibt er einmal, „geht’s nicht mehr ums gute Essen und um ein schönes Leben, da zählt nur noch die Gerechtigkeit!“ (Römer 14,17) Wenn ich jetzt schon etwas von dem umzusetzen versuche, was mir die Bilder vom Himmel zuspielen, fällt mir einiges ein: ein anderer Umgang miteinander, ein Achthaben auf die Schöpfung, der Verzicht, auf Kosten anderer Menschen zu leben, Worte der Barmherzigkeit, die anderen guttun – und ehrlich gesagt: Ich möchte den Satz des Paulus noch um einen weiteren Satz ergänzen „In der neue Welt Gottes geht’s nicht mehr um oben und unten. Da stehen endlich alle auf der gleichen Ebene!“

Das sind Aussichten, finde ich, die lassen mich schon heute leben. Gerade dann, wenn mir die Welt um mich herum so richtig zu schaffen macht. Und mir die Phantasie fehlt, wie es auch anders gehen könnte.

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