Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Bei den Comichelden Asterix und Obelix gibt’s nur eine Angst. Dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Die Erfinder von Asterix und Obelix haben diesen Spruch ironisch gemeint. Der Himmel kann einem ja gar nicht auf den Kopf fallen. Wer also nur die Angst hat, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, der hat in Wirklichkeit keine Angst.

Lange habe ich den Satz deshalb nur als guten Witz abgetan. Aber er meint auch noch etwas Anderes. Der Himmel, das ist ja ein Bild für das Besondere, das Andere. Himmel sagt, dass es etwas gibt, dass der Mensch nicht beherrscht, nicht kaufen kann, nicht bestimmen kann. Himmel ist ein Begriff für das Außergewöhnliche und Wunderbare. Und so lässt sich der Satz auch umdeuten. Wer Angst hat, dass ihm der Himmel auf den Kopf fällt, der hat Angst, dass etwas ganz Neues, Anderes, Unbeherrschbares passiert.

Wenn ich so über den Himmel nachdenke, dann ich hin- und hergerissen. Ich gebe zu, zu viel Neues kann ich nicht gebrauchen. Ich finde es nämlich ziemlich gut, wenn ich mein Leben bestimmen kann. Wenn ich Situationen beherrsche. Wenn ich etwas plane und dann alles so passiert, wie ich mir das ausgedacht habe. Was ich nicht vorhersehen kann, das macht mir schon Angst.

Aber ich habe in meinem Leben gerade da etwas Besonderes erlebt, als ich es nicht geplant habe. Als ich nicht damit gerechnet habe. Liebe zum Beispiel. Oder ganz banal: Ich fahre einen ungeplanten Umweg – und habe plötzlich einen wunderbaren Blick auf die Morgensonne. Ich habe ein paar Dinge beim Einkaufen vergessen – und das improvisierte Essen schmeckt herrlich anders. Es klopft überraschend an der Tür – und ich führe plötzlich ein gutes Gespräch, das sich nur zufällig ergeben hat. Himmlische Momente.

Ich glaube, es ist doch ganz gut, wenn einem ab und zu der Himmel auf den Kopf, ins Herz oder vor die Füße fällt.

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29548