Manuskripte

SWR3 Gedanken

Höher, schneller, weiter. Einfach besser werden. Ob im Sport, im Hobby oder im Beruf. Wer will das nicht? Karriere und Erfolg. Manche ermuntern ihre Kinder schon im Vorschulalter zu Höchstleistungen. Damit sie später eben gute Chancen haben.

Ich kann das gut nachvollziehen. Ich will auch immer das Beste erreichen. Und manchmal kann ich mich deswegen gar nicht mehr freuen, wenn mir was gelungen ist. Weil ich mehr erreichen wollte. Weil ich nicht gut, sondern super sein wollte. Weil ich mir sage: „Na, da wäre aber noch mehr drin gewesen.“

Und jetzt hat mich meine Tochter vor einiger Zeit schwer ins Nachdenken gebracht. Sie wollte auch was richtig gut machen. Aber dann ist es doch nicht so gut gelungen. Und was sagt sie zu mir? „Gell, Papa, dafür, dass ich es noch nicht richtig kann, kann ich es schon richtig gut.“

„Wow!“, hab ich gedacht. Was für eine wahnsinnig gute Lebenseinstellung! Erst mal sich freuen. Über das, was geklappt hat. Erst mal freuen!

Seitdem bin ich bei unseren Kindern in der Lebensschule. Und ich lerne viel von ihnen in Sachen höher, schneller, weiter. Und mir fällt auf: Sie gehen nicht so verbissen durchs Leben wie ich. Sie sind bei allem freundlicher zu sich selbst – und zu Anderen auch. Vielleicht hat Jesus genau das gemeint, als er gesagt hat: „Wenn ihr ins Himmelreich wollt, dann kehrt um und werdet wie die Kinder.“

Meine Tochter hat mir da die erste Lektion erteilt. Ich muss nicht der Beste sein, um mich freuen zu können. Denn „dafür, dass ich es noch nicht richtig kann, kann ich es schon richtig gut“.

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