Manuskripte

SWR3 Gedanken

„Muss das sein?“, haben in den vergangenen Wochen immer wieder welche gefragt. „Muss das sein, dass die Evangelische Kirche in Deutschland sich jetzt auch noch in der Seenotrettung engagiert? Dass sie mitmacht, ein Schiff aufs Meer zu schicken?“ Genau das hat die Evangelische Kirche nämlich beschlossen. „Wir schicken mit anderen zusammen ein Schiff.“ „Warum?“, haben deswegen manche gefragt. „Sollten sich Kirchen nicht aus der Politik heraushalten? Ist Glaube und Religion nicht Privatsache?“

Natürlich, Glaube und Religion ist etwas zutiefst Persönliches. Mein Glaube prägt mich. Wäre ich kein evangelischer Christ, ich wäre ein anderer Mensch. Gerade deswegen ist alles, was ich denke und tue – meine Wahrnehmung, mein Blick auf die Welt, meine Haltung, meine Werte – alles ist durch meinen Glauben inspiriert und geprägt. Und ich bin mir sicher, das ist bei jedem Menschen so. Egal, ob er christlich oder durch eine andere Religion geprägt ist.

Und jetzt haben sich Christinnen und Christen zusammengeschlossen und durch Vertreter ihrer Kirchen den Beschluss gefasst, dass sie sich zur Situation im Mittelmeer politisch äußern. Dort sterben nämlich derzeit viele Menschen. Sie ertrinken. Unsere Politikerinnen und Politiker sind sich wegen der Rettung nicht einig. Es könnte ja sein, dass Schleuser das ausnutzen und zum Beispiel absichtlich kaputte Schiffe losschicken. Aber währenddessen ertrinken Menschen.

Das will die Evangelische Kirche in Deutschland nicht mehr mit anschauen und dadurch mittragen. Sie will sich deswegen in der Seenotrettung engagieren. Dabei geht es nicht darum, ein neues Programm zum Umgang mit Flüchtenden zu starten. Natürlich können mit dem Schiff auch nicht alle gerettet werden. Die Evangelische Kirche macht trotzdem mit. Weil sie in die Tat umsetzen will, was doch eigentlich selbstverständlich ist: „Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt.“

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