Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns auf unsern Wegen.
Sei Quelle, sei Brot in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.“

Bewahren und behüten – das sind Worte und vor allem Gefühle, die ich mit meiner Kindheit verbinde. Wenn nach der Schule das Mittagessen dampfend auf dem Tisch stand, meine Eltern mir vorm Einschlafen ein Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet haben oder wenn ich wusste, dass an Prüfungen zu Hause eine Kerze für mich gebrannt hat. Ich bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie diesen warmen, bergenden Mantel aus Sorge, Liebe und Gebet um mich gelegt haben. Das ist ihnen gut gelungen.

Bewahrt und behütet zu sein – heute gehört dieses Gefühl immer noch zu meiner Familie. Aber es gehört auch zu Gott. Gott ist nämlich mit seinem Segen um mich. Und ich glaube fest, dass er sich mir zuwendet. Jeden Tag. Weil kein Tag wie der andere ist.

Im Lied zum heutigen Sonntag wird in jeder Strophe um Gottes Segen gebetet. Der Textdichter Eugen Eckert schließt dann direkt die Bitte an, wie Gott im Leben spürbar sein soll. Als Hilfe und als Kraft, die mir innerlichen Frieden bringt, wenn mein Leben durcheinandergewirbelt wird. Oder hell und wärmend in schweren Zeiten.
„Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.“

Ich höre bei diesem Segenslied immer den ältesten überlieferten Segensspruch der Bibel mit. Den sogenannten Aaronitischen Segen. Der geht so: „Der Herr segne und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden.“ (Num 6, 24-26)

Bis heute hören die Gläubigen in jüdischen und christlichen Gemeinden am Ende des Gottesdienstes diesen Segen. Wenn es zurück in den Alltag geht, soll Gottes Segen mich begleiten und durch den Tag tragen.

Die letzte Strophe des Liedes drückt das schlicht, aber raffiniert aus. Denn sie greift die Worte „Weg“ und „Segen“ aus der ersten Strophe wieder auf, aber kehrt die Reihenfolge um. Nun kommt der Beter nicht mehr von seinen Wegen zu Gott und bittet um Segen. Sondern Gottes Segen entlässt den Beter ins Leben. Auf neue, unbekannte Wege.

 „Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unseren Wegen.“



Musikangaben:
Musik 1 und Musik 2 (Rembeck)

Musik 3 (Lakj Chor)

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