Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

(Gotteslob Nr. 478)

Musik 1 – Intro „Ein Haus voll Glorie schauet“  – Klavier 

Das Lied zum heutigen Sonntag klingt festlich und majestätisch. Es heißt „Ein Haus voll Glorie schauet weit über alle Land“. Und es ist ein Lied der Sehnsucht. Sein Verfasser Joseph Mohr gehörte dem katholischen Jesuitenorden an, der in der Zeit des Kulturkampfes unter Bismarck in Deutschland verboten wurde. Deshalb lebte Mohr im Exil in Belgien, als er 1875 dieses Lied schrieb. Getröstet hat ihn der Gedanke an seine Heimat: Siegburg bei Köln. Dort thront tatsächlich auf dem Michaelsberg die große Benediktinerabtei, die wie ein „Haus voll Glorie“ über die weite Landschaft blickt.

Musik 2 – Strophe 1 (in den Fassungen 1875 und 1972 identisch) – Klavier und Gesang 

Ein Haus voll Glorie schauet

weit über alle Land,

aus ewgem Stein erbauet

von Gottes Meisterhand.

Gott, wir loben dich,

Gott, wir preisen dich.

O lass im Hause dein

uns all geborgen sein. 

Ist die Kirche ein Ort der Geborgenheit? Ja und Nein. Oft habe ich sie so erfahren. Allzu oft aber scheitert sie an diesem Anspruch. Das „Haus voll Glorie“ hat „Leichen im Keller“. Können wir da noch von der Kirche als einem prächtigen Palast singen, oder gar – wie es in einer Strophe von Joseph Mohr heißt - vom „heiligen Streit“ mit bösen Feinden, zu dem wir eilen sollen? 

Musik 3 – Strophe 7 der originalen Fassung 1875 (ohne Refrain) – Klavier und Gesang 

Auf, eilen liebentzündet

auch wir zum heil’gen Streit;

der Herr, der’s Haus gegründet,

uns ew’gen Sieg verleiht. … 

Ich verstehe jeden, dem die triumphierenden Klänge dieses Liedes im Hals stecken bleiben. Dennoch will ich das „Haus voll Glorie“ nicht einfach abreißen. Besser scheint mir, wenn Kirche und Lied von Zeit zu Zeit renoviert werden. Eine solche „Renovation“ unseres Liedes gab es tatsächlich vor etwa fünfzig Jahren. Etliche alte Strophen mussten damals weichen und Platz machen für ein neues Bild von der Kirche: Sie ist „Gottes Zelt auf Erden“. 

Musik 4 – Strophe 4 der erneuerten Fassung 1972 (ohne Refrain) – Klavier und Gesang 

Seht Gottes Zelt auf Erden!

Verborgen ist er da;

in menschlichen Gebärden

bleibt er den Menschen nah. … 

Dieses Lied singe ich gern. Es erinnert mich daran, dass es viele Bilder von der Kirche geben darf: die schützende Burg, aber auch das Zelt. Meine Lieblingsstrophe nimmt die Zukunft, das „Ziel“ der Welt in den Blick. Die Bibel nennt es das „himmlische Jerusalem“. Und das ist wirklich ein „Haus voll Glorie“, in dem das „Halleluja“ ohne Ende erklingt. Eine himmlische „Haus“-Musik, auf die ich mich freue. 

Musik 5 – Strophe 5 der erneuerten Fassung 1975 – Klavier und Gesang 

Sein wandernd Volk will leiten

der Herr in dieser Zeit;

er hält am Ziel der Zeiten

ihm dort sein Haus bereit.

Gott, wir loben dich,

Gott, wir preisen dich.

O lass im Hause dein

uns all geborgen sein.

 

Titel/Lied:

Ein Haus voll Glorie schauet

Text: Joseph Mohr 1875 und Hans W. Marx 1972 (= Pseudonym für eine von Friedrich Dörr geleitete Liederkommission zum Gotteslob 1975;

Musik: Joseph Mohr 1875

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