Manuskripte

SWR2 Lied zum Sonntag

Segen, das ist das biblische Wort für ein erfülltes Leben. Für Glück und Gelassenheit. Segen ist die heilsame Kraft, die mein Leben berührt und es kostbar macht. Auch wenn es vielleicht gerade armselig ausschaut.
Aber vor allem anderen ist Segen im biblischen Sinn: ein Geschenk. Ein Geschenk, das mutig macht und frei. Davon spricht das heutige Lied. „Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad gelegen über alles Geld und Gut. Wer auf Gott sein Hoffnung setzet, der behält ganz unverletzet einen freien Heldenmut.“

1. Alles ist an Gottes Segen
und an seiner Gnad gelegen
über alles Geld und Gut.
Wer auf Gott sein Hoffnung setzet,
der behält ganz unverletzet
einen freien Heldenmut.

Auf Gott seine Hoffnung zu setzen, das heißt, seinen Lebensanker nicht im Treibsand des Alltags zu versenken. Sondern ihn dort fest zu machen, wo fester Halt ist und bleibende Hilfe.
Johann Löhner, von dem die Melodie dieses Liedes stammt, war ein begabter Komponist, Organist und Sänger. Er kam 1645 in Nürnberg zur Welt, wo er auch im Jahr 1705 starb. Mit fünf Jahren hatte er seinen Vater und mit fünfzehn seine Mutter verloren. Der Nürnberger Organist Georg Caspar Wecker hatte das Talent des früh verwaisten Jungen erkannt, ihn adoptiert und musikalisch ausgebildet.

Vermutlich war es die Erfahrung, auf seinem Lebensweg vielfach bewahrt, geführt und auch gefördert worden zu sein, in der Johann Löhner immer wieder den Zeigefinger Gottes erkannt hatte. Im Lied heißt es dazu:
„Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret, ist und bleibet ewig mein. Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret, wird forthin mein Helfer sein.“

2. Der mich bisher hat ernähret
und mir manches Glück bescheret,
ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderbar geführet
und noch leitet und regieret,
wird forthin mein Helfer sein.

Gesegnet sein, das meint: vertrauensvoll in die Zukunft gehen zu dürfen. Voller Zuversicht und Hoffnung.  
„Hoffnung kann das Herz erquicken“, so heißt es einige Liedzeilen weiter, „was ich wünsche, wird sich schicken, wenn es meinem Gott gefällt.“

Es ist dieses die Welt übersteigende Grundvertrauen ins Leben und in die Zukunft, das sich segensreich auswirkt. Ja, es ist ein Segen, wenn es mir gelingt, mich von diesem Grundvertrauen im Alltag tragen zu lassen. Und - so ermutigt - mutig die mir geschenkte Lebenszeit zu gestalten.

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1. CD, Nun danket alle Gott. Die schönsten Bachchoräle, Gächinger Kantorei und Bach-Kollegium Stuttgart
2. CD, Genesis Brass Choralphantasien

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