Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Der Kirche ein Gesicht geben. Kirche gemeinsam gestalten.

In den katholischen Gemeinden werden in diesen Wochen Frauen und Männer gesucht, die in den Gremien der Pfarrei mitarbeiten möchten, die ihrer Kirche vor Ort ein Gesicht geben. So steht es auf dem Werbeplakat.

Freizeit, Kraft und Nerven kostet das. Wie jedes andere Ehrenamt auch. Und dann auch noch für die Kirche. Wer will da noch mitmachen?

Zu viel ist da schief gelaufen in den letzten Jahren, zu wenig von der Frohen Botschaft rüber gekommen.

„Da müsste erst mal einiges anders laufen“, bekomme ich oft zu hören.

Dass einiges anders läuft, das wünsche ich mir auch. Und ich weiß, viele mit mir.

Interessant finde ich, was Mutter Teresa, die Ordensfrau aus Kalkutta einmal dazu gesagt hat. Ein Reporter fragt sie: „Was muss sich eigentlich in der Kirche ändern?“ Ihre Antwort: „Sie und ich!“

Die Antwort überrascht. „Sie und ich, wir müssen uns ändern!“ Der Reporter hat wohl eher erwartet, dass sie die ganzen kritischen Themen aufzählt. Machtmissbrauch, die kirchliche Sexualmoral oder die Frage nach den Frauen in der Kirche. Aber Mutter Teresa denkt wohl: Warum mit dem Finger auf die anderen zeigen?

Wir müssen uns ändern! Ich denke, da ist was dran. Bei mir selber anfangen, mich einbringen auch und gerade mit den kritischen Fragen. Kreativ werden und nicht nachlassen, wenn es unbequem wird. Unrecht muss benannt werden. Riten, die hohl und leer sind, abgeschafft werden. Vertrauen, das verspielt wurde, neu aufgebaut werden.

Und genau dazu braucht es Frauen und Männer, die auch heute trotz allem Kirche mitgestalten, verändern. Die mutig auch heiße Themen anpacken.  Eben ihrer Kirche ein Gesicht geben. Gerne auch ein kritisches und unbequemes! Damit das Wesentliche bleibt: Gottes Botschaft der Liebe und Barmherzigkeit. Gottes Botschaft an Sie und mich.  

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29386