Manuskripte

SWR3 Gedanken

Wenn ich „11. September“ in die Suchmaschine eingebe und auf Bilder klicke, dann sehe ich die bekannten Bilder. Die brennenden Türme des World-Trade-Centers. Tausendfach gedruckt und gesehen und auf ihre monströse Arte aber auch irgendwie interessant und faszinierend.

 

Denn Krieg und Zerstörung scheint schon immer interessant gewesen zu sein. Dass ist meine Erklärung dafür, dass es eine Unmenge an Schlachtengemälden gibt. In vielen Museen kann man die sehen. Friedensgemälde gibt es zwar auch – aber viel weniger.

Vielleicht liegt es ja daran, dass beim Krieg einfach mehr passiert. Da ist was los, da ist Bewegung drin. Dabei gibt es Friedensbilder, die richtig spannend sind. In der Bibel träumt ein Prophet davon, dass im Frieden, Wolf und Lamm miteinander weiden und auch Löwe und Rind (Jes 65) friedlich miteinander grasen. Stelle ich mir spannend vor.

Richtig spannend wird es, wenn ich mir keine Tiere vorstelle, sondern Menschen. Menschen, die eigentlich Feinde sind. Können die Frieden halten?

Phyllis Rodriguez und Aicha Al Wafis kommen dem jedenfalls nahe, finde ich. Die eine hat ihren Sohn Greg im World-Trade-Center verloren. Die andere ihren Sohn Zacharia Moussaoui. Er wurde zu lebenslanger Isolationshaft verurteilt. Man vermutet, dass er auch ein Flugzeug hätte fliegen sollen, aber vorher verhaftet wurde.

Phyllis und Aicha sind Freundinnen geworden, weil sie beide unter den Folgen des 11. Septembers zu leiden haben und es gibt Bilder von ihnen, wo sie sich umarmen.

Das ist ein wirklich spannendes Friedensbild. Und ich wünschte, Maler und diejenigen, die die Bilder betrachten, würden sich mehr für diese Bilder interessieren, anstatt für die Bilder der Zerstörung.

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