Manuskripte

SWR3 Gedanken

Evangelische in Italien. Doch, die gibt es. Nicht alle in Italien sind katholisch. Und - jedenfalls im Norden - sind die evangelischen Italiener noch sehr von der deutschen Sprache geprägt. Und deshalb habe ich im Schatten einer evangelischen Kirche in Italien am gestanden und mich mit Susanne auf Deutsch unterhalten. Sie ist der Liebe wegen nach Italien gezogen, hat sie mir erzählt und ihrer Kirche ist sie treu geblieben. Mehr noch: Für Susanne ist die evangelische Kirche eine Verbindung zu ihrer alten Heimat. Die ganze Woche ist sie in Italien, spricht Italienisch und trifft sich mit ihren italienischen Freunden und Familien. Sie liebt Italien und trotzdem schätzt sie ihre evangelische und – deutsch sprechende - Kirche in Italien. Religion und Muttersprache scheinen eng miteinander verbunden zu sein.

Aber es gibt eine Veränderung: Auch Italiener finden aus verschiedenen Gründen Gefallen an  dieser Kirche und kommen in die Gottesdienste ohne, dass sie Deutsch können. Also müssen Kompromisse gefunden werden. Die Predigt ist inzwischen auf Italienisch und es werden immer mehr italienische Lieder gesungen.

„Ich kann natürlich Italienisch“, hat Susanne gesagt, „aber als der Pfarrer das erste Mal auf Italienisch gepredigt hat, fand ich das echt komisch!“ Das religiöse Herz spricht wohl zuerst die Muttersprache.

In der Bibel gibt es eine Geschichte, bei der alle Sprachbarrieren aufgehoben werden. An Pfingsten feiern Christen das. Gottes Geist kann es machen, dass sich alle Menschen untereinander verstehen, heißt es da, egal welche Muttersprache man hat.

Aber an Susanne lerne ich: Muttersprache bleibt. In ihr spricht Erinnerung und das religiöse Herz. Umso mehr Respekt habe ich deshalb vor allen, die ihre Muttersprache für eine andere eintauschen und damit klar machen: Es ist am Wichtigsten, dass wir uns untereinander verstehen. Und wenn wir gemeinsam von Gott hören – in welcher Sprache auch immer - schenkt uns das auch eine gemeinsame Zukunft.

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