Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

17AUG2019
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Irgendwie war ich in den letzten Wochen von ziemlich viel Tod und Trauer umgeben. Ausgerechnet in der sonnigen Sommer- und Ferienzeit. Ein Onkel von mir ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Von einem alten Bekannten zuhause kam die Todesanzeige. Und ein Kollege hat innerhalb von zwei Wochen erst den Vater, dann die Mutter verloren. Dann war da auch noch diese schreckliche Tötung eines Kindes am Frankfurter Hauptbahnhof. Oft komme ich dort an dem Gleis vorbei, und wenn ich all die Blumen und Teddybären sehe, berührt es mich. Ja, der Tod macht keine Sommerpause – er ist auch in diesen Juli- und Augustwochen da.

 

Und er macht mich immer wieder sprachlos. Was soll ich sagen, wenn jemand um einen geliebten Menschen trauert? Welche Worte sind die richtigen, welche Gesten? Ich will nichts Oberflächliches sagen, nichts Banales, ich will auch nicht über den Schmerz einfach hinwegtrösten. Und trotzdem natürlich Trost spenden. Ich hab in diesen letzten Wochen auch wieder darüber nachgedacht, was für mich nach dem Tod kommt. Was ich glaube über das Jenseits. Was meine Hoffnung ist. „Nach dem Tod kommt gar nichts“, das sagen viele. Aber ich kann genau das nicht glauben. Wissen kann ich es natürlich auch nicht. Aber ich hoffe darauf: Nach dem Tod beginnt ein neues Leben. Und der geliebte Mensch ist bei Gott gut aufgehoben.

Solch eine Hoffnung vertreibt natürlich nicht den Schmerz. Auch, wer an die Auferstehung glaubt, weint und klagt, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Sogar Jesus selbst, erzählt die Bibel, hat um einen verstorbenen Freund geweint (vgl. Johannes 11,35). Ich erlebe immer wieder, wie andere verzweifelt und traurig sind über den Tod eines geliebten Menschen. Und ich selbst habe auch schon bittere Tränen um Menschen vergossen. Aber trotzdem ist da eben auch die Hoffnung: Es ist nicht alles dunkel. Es gibt ein Licht. Es gibt einen Gott, der für uns Leben in Fülle will, auch nach dem Tod. Darüber Worte zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber ich will es immer wieder versuchen. Und ich hoffe, dass ich damit mich und andere ein wenig trösten kann.

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