Manuskripte

Anstöße SWR1 BW / Morgengedanken SWR4 BW

Katja, eine junge Mutter, hat viel um die Ohren: Drei Kinder mit vollem Terminkalender - Kinderarzt, Sportstunden, Schulveranstaltungen. Da gibt´s täglich eine Menge zu organisieren: Einkäufe erledigen, Kindergeburtstage vorbereiten und den Kaminfeger bestellen. Die kranke Nachbarin wartet auf einen Besuch, und die Freundin feiert heute Geburtstag. Katja ist darüber hinaus auch noch berufstätig und muss ihrem Chef gerecht werden. Eines darf sie auf keinen Fall: etwas vergessen! - Und nun ist es doch passiert. Ein unaufmerksamer Moment, abgelenkt von den Gedanken an die Pflichten des Tages – da bleibt auf der Fahrt zur Arbeit in der Bahn ihr Geldbeutel liegen. Darin enthalten: alles, was man heutzutage so mit sich herumschleppt, Karten, Ausweise, Bargeld.

 

Wer schon mal beklaut worden ist, seinen Schlüssel gesucht, sein Smartphone vergessen oder ein wichtiges Schriftstück verlegt hat, weiß, wie nervenaufreibend die Stunden sind, die dann folgen.. - Irgendwo muss das verflixte Ding doch sein, aber wo? Man könnte verzweifeln, das Gedankenkarussell treibt einen schier zum Wahnsinn.

Die Bibel erzählt von einer Frau, die ein verlorenes Geldstück sucht. „Sie fegt das ganze Haus, kehrt das Unterste zu oberst und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück gefunden hat. Wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir, ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte“ (Lukasevangelium 15,8-10).

Auch Katja hat Glück. Nach einem langen und bangen Tag erreicht sie am späten Abend die Nachricht, dass ihr Geldbeutel gefunden wurde. - Man kann sich leicht vorstellen, dass sie überglücklich ist. Am liebsten riefe auch sie alle zusammen, ihre Freude mit ihr zu teilen.

Das Glück des Wiederfindens verdankt sie einem jungen Mann, der weit mehr ist als ein ehrlicher Finder. Er hat Katja ja nicht nur ihren Geldbeutel zurückgebracht, sondern ihr eine Menge Scherereien und einen größeren Geldverlust erspart. Ihm verdankt sie, dass sie aufatmen und ein ruhige Nacht haben kann. - Wie froh ist sie! Wie froh können wir alle sein, unter solchen Zeitgenossen zu leben! Wie froh macht es, selbst ein solcher Zeitgenosse zu sein!

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