Manuskripte

SWR2 Wort zum Tag

Zu den Worten, die ich erst spät in meinem Leben gelernt habe, gehört das Wort „Over-Tourism“.  Over-Tourism, das bedeutet Über-Tourismus. Und  meint eine Entwicklung im Tourismus, die zu einer extremen Überstrapazierung von Menschen, Städten und Landschaften an den jeweiligen Reisezielen führt.

In den letzten Monaten und Jahren konnten wir immer wieder hören, lesen und sehen, dass bestimmte Städte wie Venedig, Barcelona oder Rom unter dem gewaltigen Massenansturm von Touristen ächzten. Dass Strände überfüllt waren. Oder Menschen in endlosen Schlangen vor Museen, Schlössern oder Kathedralen auf Einlass warteten.

Ist das noch Urlaub im Sinn von Erholung, von Rekreation oder gar von Bildung? Ich erinnere mich an das auch im Deutschen eingebürgerte Wort holidays. Ursprünglich setzt es sich aus zwei Bestandteilen zusammen: aus „holy“ und „days“.

Holidays, das waren ursprünglich heilige Tage, in denen jemand, der sich in aufreibenden Arbeitsprozessen zu verlieren drohte, wieder zu sich selbst finden konnte. Zeiten, wo man Abstand gewinnen konnte, um sich zu besinnen. Gelegenheiten, wo die im Alltag vernachlässigten Sinne wieder zu ihrem Recht kamen: das Riechen und Schmecken, das Sehen und Hören, das Spüren und die Lebensfreude.

Heute läuft es weithin in eine andere Richtung. Die Ursachen sind leicht auszumachen. Immer mehr Menschen können sich immer mehr leisten. Die Flugtarife sind günstig, viel zu günstig. Touristen konzentrieren sich auf Reiseziele, die Sicherheit zu bieten scheinen vor terroristischen Anschlägen.

Holidays im eigentlichen Sinn des Wortes haben aber nichts zu tun mit der Überstrapazierung von Leib und Seele, von Natur und Umwelt. Sondern mit Rekreation. Mit Aufbruch aus der Erschöpfung in ein neues Lebensgefühl.

Wie das geht? Ich kann boomende Reiseziele meiden. Ich kann mir meine eigenen Geheimtipps suchen. Reiseziele, die über kein großes Werbebudget verfügen und eher am Rande der Aufmerksamkeit liegen.

Ich kann mich entscheiden für einen Tourismus, der mich in Kontakt bringt mit meinem eigenen Körper, meinen eigenen Sinnen, mich öffnet für die Besonderheiten meines Gastlandes, für die Menschen dort und die Schönheit der Schöpfung. 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und mir schöne und entspannte Ferientage. Frei von jeder Art von Überstrapazierung. Tage der Besinnung und Rekreation. Einfach nur holy days!

https://www.kirche-im-swr.de/?m=29222

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