Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

„Die Tat von Pater Maximilian hat uns alle erschüttert. Etwas hat sich verändert. Das Gebot der Nächstenliebe hat seine Bedeutung wiedererlangt.“ Mit diesen Worten erinnert sich ein Zeitzeuge an die Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz rund um den 14. August 1941 – heute vor 78 Jahren.

Etwa zwei Wochen vorher kam es im Lager zu einem angeblichen Fluchtversuch eines Häftlings. Daraufhin wird ein Exempel statuiert: 10 Häftlinge werden wahllos für den Hungerbunker ausgewählt, um dort zu sterben. Einer von ihnen, der 39jährige Familienvater Franciszek Gajowniczek, fleht darum, verschont zu werden. Maximilian Kolbe, der von den Menschen im Konzentrationslager Pater Maximilian genannt wird, geht daraufhin freiwillig für Gajowniczek in den Hungerbunker und stirbt am 14. August 1941 durch eine Giftspritze, da er selbst nach 14 Tagen ohne Essen und Trinken noch lebt. Der Familienvater Gajowniczek hat Auschwitz überlebt.

Diese Geschichte macht mich sprachlos. Da sind die Abgründe unmenschlichen Hasses und brutaler Grausamkeit im Konzentrationslager. Sie sind so schlimm, dass sie selbst im Erzählen kaum auszuhalten sind. Und dann ist da der polnische Priester Maximilian Kolbe, der aus der spontanen Situation heraus, sein Leben für das des anderen Mannes gibt. Der Mensch ist also nicht nur fähig zu unsagbarer Grausamkeit, sondern er kann auch und besonders an solchen Orten zu unsagbarer Größe über sich hinauswachsen.

Das schenkt mir Hoffnung. Es schenkt mir Hoffnung, dass Menschen auch heute mit aller Kraft Widerstand leisten gegen menschenverachtende Regime. Es schenkt mir Hoffnung, dass Taten aus Hass – wie der Mord am Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – uns alle aufrütteln und bereit machen dem aufkeimenden Rassismus in unserem Land entgegen zu treten. Und es schenkt mir Hoffnung, dass ich selbst den Mut habe, mich konkret für Menschen einzusetzen, die meine Hilfe brauchen.

Denn, so steht es in der Bibel: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (1 Tim 2,7)

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