Manuskripte

Anstöße SWR1 RP / Morgengruß SWR4 RP

Wenn ich die Tagesschau sehe, passiert es mir in letzter Zeit öfter, dass ich direkt wieder ausschalte. Die Nachrichtenlage schlägt mir auf den Magen: Überall wird verbal und mit Waffen aufgerüstet, Flüchtlinge, die im Mittelmeer ertrinken, Klimawandel in seinen erschreckenden Facetten…

 

Ich will das nicht mehr sehen. Ich fühle mich dabei überfordert und hilflos. Und überhaupt: Ich allein kann doch sowieso nichts daran ändern.

Aber einfach abschalten hilft nicht. Ich weiß ja trotzdem darum. Und wenn weggucken nicht hilft, muss ich vielleicht doch versuchen, aktiv gegen das schlechte Gefühl anzugehen. Mein Glaube hilft mir dabei in die Gänge zu kommen: Denn von meinem Glauben her, kann es mir nicht egal sein wie es meinen Mitmenschen und der Schöpfung insgesamt geht. Ich bin aufgerufen, die Dinge soweit zu verbessern wie ich kann.

Eine lokale Möglichkeit ist da zum Beispiel das Projekt der Solidarischen Landwirtschaft in Trier. Dort haben sich mehrere Dutzend Personen zusammengetan, eine landwirtschaftliche Fläche gepachtet und finanzieren eine Gärtnerin. Wer Lust und Zeit hat, arbeitet mit. Vom Frühjahr bis in den späten Herbst gibt es in der Regel jede Woche einen Ernteanteil. Direkter, regionaler und gemeinschaftlicher können Lebensmittel kaum erzeugt werden.

Und die Entwicklung des Projekts ist erstaunlich: Wo vor drei Jahren noch alles brachlag, ist jetzt im wahrsten Sinne des Wortes eine blühende landwirtschaftliche Fläche entstanden: Kleinteilige Beete mit Mischkulturen, dazwischen blühende Ackerkräuter und Wildblumen. Hier finden Insekten und andere Kleintiere, die sonst immer seltener werden, Nahrung und Raum zum Leben.

Heute Abend wird wieder die Tagesschau gesendet. Ich weiß, dass ich zwar immer noch nicht die USA und den Iran vom Frieden überzeugen kann, aber ich kann irgendwo klein anfangen, die Welt zu verändern. Ich kann mich mit Gleichgesinnten zusammentun und so meinen Beitrag zu einem gelingenden Miteinander der Menschen und zu einem wertschätzenden Umgang mit der Schöpfung leisten. Ich muss eben nur irgendwo damit beginnen. Schließlich soll Martin Luther schon gesagt haben: „Wenn ich wüsste, das morgen die Welt untergeht, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“

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